29. Juli: Chaos und Religion

Heut mal ein wenig chaotischer, is ziemlich viel los… eigentlich würd ich gern ne Art „Bilanz“ oder n allgemeinen Kommentar formulieren, aber ich fühl mich noch nicht so weit. Kommt die Tage. Auf jeden Fall is wohl ziemlich offensichtlich, dass die Ukraine eigentlich kein Interesse an diesem Konflikt hat und auch gar nicht haben kann, also, ich mein jetzt die ukrainische Gesellschaft.
– und verzeiht, dass das Militärische Überhand bekommt, aber auch in den ukrainischen Medien geht es mittlerweile hauptsächlich um dieses Thema. Seit der Katastrophe mit der MH17 gab es einen qualitativen Sprung in der Hinsicht, hab ich den Eindruck.

Vorab ein kurzes Video aus dem Kessel südlich der von den Rebellen kontrollierten Gebiete bei Lugansk, einfach nur Bilder, ohne Kommentar. Schaut’s euch an.

– das ist südlich von Свердловск (Sverdlovsk), ihr findet es hier auf der Karte ganz rechts

Diese Karten findet ihr übrigens hier: http://mediarnbo.org/ – Link „МАПА: СИТУАЦІЯ НА СХОДІ УКРАЇНИ“
– wobei zu bedenken ist, dass es sich um die offizielle ukrainische Darstellung handelt. In dem zuvor verlinkten Video seht ihr ja, was „unter Kontrolle der ukrainischen Armee“ bedeuten kann… Also, mit Vorsicht zu genießen, die Karten, sind vom Nationalen Rat für Sicherheit und Verteidigung (SNBO).

Aus dieser Gegend sollen auch die ukrainischen Soldaten nach Russland geflohen sein. Ich hab jetzt auch eine Nachricht in ukrainischen Medien dazu gefunden, denn heute sind 41 Soldaten der 51. motorisierten Brigade wieder in die Ukraine zurückgekehrt und werden jetzt der Desertation verdächtigt (wird übrigens mit fünf Jahren Haft geahndet).
http://korrespondent.net/ukraine/3398733-pereshedshykh-v-rossyui-ukraynskykh-voennykh-proveriat-na-dezertyrstvo
– auch Soldaten der 24. Brigade werden der Desertation verdächtigt, konkrete Zahlen oder warum jetzt genau gibt der Artikel jedoch nicht her.

Zwei Soldaten sollen übrigens in Russland geblieben sein und haben die russische Staatsbürgerschaft beantragt.

Im Westen der Ukraine haben Verwandte mal wieder eine Straße blockiert und kilometerlange Staus verursacht. Sie protestieren gegen die Einberufung ihrer Söhne und Ehemänner in die ATO und fordern, dass die Flüchtlinge aus dem Donbass diesen Krieg selber führen sollen (ehrlich, so gibt der Artikel es wieder…)
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3398855-na-zakarpate-rodstvennyky-pryzyvnykov-prodolzhauit-blokyrovat-trassu

Die Familien gefallener Soldaten sollen 609.000 Griven bekommen, plus 500.000 Unterstützung für die Beerdigung.
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3398876-semiam-pohybshykh-v-ato-obeschauit-vyplatyt-po-609-tysiach-hryven

Der Innenminister Avakov hat angekündigt, 20.000 Milizionäre (auf Deutsch: Polizisten) auszutauschen, um die zu ersetzen, die desertiert haben oder sich sonstwie diskreditiert hätten. Man müsse sich vor Augen führen, dass die zurückeroberten Gebiete „riesige Territorien ohne lokale Regierung und Polizei“ seien.
http://vesti.ua/donbass/63153-avakov-anonsiroval-zamenu-20-tysjacham-milicionerov
– soviel zur „fehlenden lokalen Unterstützung“ der Separatisten… es gab Ende Mai schon die Meldung, dass 17.000 Polizisten die Ukraine „verraten“ und sich den Separatisten angeschlossen hätten. Ganz offiziell, Pressesprecher des Innenministeriums:
http://www.tvn24.pl/msw-ukrainy-w-donbasie-zdradzilo-17-tys-milicjantow,431902,s.html

Und während die holländische Regierung Poroshenko auffordert, die Gefechte um die Absturzstelle einzustellen (wir erinnern uns, er versprach einen 40 km Radius als kampffreie Zone, aktuell gibt es genau dort jedoch eine Offensive)
http://www.afp.com/en/news/dutch-pm-asks-ukraine-stop-fighting-near-crash-site
liest man in den ukrainischen Medien nichts davon, sondern nur, dass die Rebellen der OSZE nicht vertrauen und verhindern wollen, dass sie die Untersuchungen leiten. Sie machen die OSZE verantwortlich für die aktuelle Offensive der ukrainischen Streitkräfte
http://korrespondent.net/ukraine/3398943-v-dnr-khotiat-zapretyt-obse-rassledovat-krushenye-boynha-777

Der sog. „Cyber-Berkut“ attackiert vermehrt ukrainische Webseiten. Die Seite des Präsidenten war heute außer Betrieb, ebenso kurzzeitig das Regierungsportal
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3398980-khakery-atakovaly-sait-pravytelstvennoho-portala

Ich müsste jetzt suchen, aber vor Tagen schon hab ich ein Video gesehen mit riesigen Raketen, welche die ukrainische Armee einsetzt. Korrespondent berichtet nicht selbst, sondern zitiert CNN, dass ballistische Kurzstreckenraketen eingesetzt werden
http://korrespondent.net/ukraine/3398997-CNN-ukrayna-yspolzuet-protyv-separatystov-ballystycheskye-rakety
– ich schau nochmal nach dem Video, reich ich nach

„Betrunkene Soldaten“ der regulären Streitkräfte haben einen Nationalgardisten des Bataillons „Donbass“ erschossen, weil er sie daran hindern wollte, Zivilisten zu misshandeln. Meldung vom Kommandierenden von „Donbass“ bestätigt, es sollen insgesamt zwei Nationalgardisten von ukrainischen Soldaten erschossen worden sein.
http://korrespondent.net/ukraine/3398957-ukraynskye-soldaty-zastrelyly-boitsa-batalona-donbass

Wie zu erwarten war, ist die Industrieproduktion der Ukraine gefallen. Jedoch nicht nur im Donbass, wo Krieg ist, sondern im ganzen Land
http://korrespondent.net/business/economics/3398729-korrespondent-perspektyva-v-tumane-chto-ozhydaet-promyshlennost-donbassa-posle-ato
– wenn ihr im Link ein wenig runtersrollt, seht ihr ne Karte. Donbass -12,3%, und Kiev -12,8%, zum Beispiel.

Ein „grüner Korridor“ für das Koks-Chemie-Werk in Avdeevka wurde heute morgen um 10:52 eingerichtet, um die Energiezufuhr wieder herzustellen
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3398766-v-avdeevke-nachaly-vosstanavlyvat-elektrosnabzhenye-koksokhymycheskoho-zavoda
– um 19:29 meldet korrespondent.net, dass die Energieversorgung wiederhergestellt ist
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3398966-avdeevskyi-koksokhym-podkluichyly-k-elektrosnabzhenyui

Hingegen soll in Gorlovka das Chemie-Werk „Styrol“ in Flammen stehen
http://korrespondent.net/ukraine/events/3398727-horlovskyi-khymzavod-styrol-zavolokly-kluby-dyma
– in den Kommentaren wird darauf aufmerksam gemacht, dass das auch Rauch oder Dampf aus Produktionsprozessen sein könnte, einer meint, er hätte eine Bekannte von dort angerufen und es sei alles okay… Bisher keine Bestätigung.

Fakt ist, dass Gorlovka seit Tagen unter Artillerie-Beschuss steht, allein heute bisher vier tote und 23 verwundete Zivilist_innen gemeldet (heute Mittag, keine neue Meldung dazu um 21 uhr)
http://korrespondent.net/ukraine/3398857-v-rezultate-obstrela-v-horlovke-pohybly-chetvero-myrnykh-hrazhdan
– da war ja auch der gestrige Link mit den krassen Fotos her.
Hier Bilder von einer ziemlich frei stehenden Kirche samt angrenzenden Spielplatz (4 Videos und 5 Fotos, nichts blutiges)
http://www.novorosinform.org/news/id/4504
– die war heute beschossen worden. Vorgestern schon traf es eine andere Kirche mit angrenzendem Krankenhaus (letztes Video, letzten drei Fotos)

 

RELIGION

Erwähnenswert ist vielleicht, dass viele ukrainische Nationalisten aus der Westukraine der griechisch-katholischen Kirche angehören

Zum Vergleich, hier nochmal die Wahlergebnisse der Svoboda:

Das deckt sich nicht zufällig. Ich glaub zwar nicht, dass es eine bedeutende Rolle spielt, aber ich weiß es nicht… Öffentlich jedenfalls wird es so gut wie nie thematisiert.
Ich hab zwar ein paar mal den Ausdruck „pravoslavnaya suka“ (orthodoxe Schlampe) gehört, aber eigentlich nur von Musichko, der kurz nach dem Sieg des Maidans erschossen wurde – wahrscheinlich von seinen eigenen Leuten, war wohl schlecht für’s Image (das ist der, der mit der Kalasch im Parlament für „Ruhe und Ordnung“ gesorgt hat und diesen Staatsanwalt vor laufender Kamera geschlagen hat)(nicht in Kiev, in Rivne).
Auch meint Sergei, dass eine „Rückbesinnung“ zum Glauben eine immer stärkere Rolle spiele – aber im Netz finde ich keine Anhaltspunkte dafür. Auch wird der Beschuss von Kirchen nicht so gedeutet, also von den Rebellen jetzt, dass da die „griechisch-katholischen Nazis“ bewusst die Kirchen der russisch-orthodoxen zerstören würden… Zumindest hab ich so etwas nicht mitgekriegt.

Mitbedenken sollte man so was aber schon, finde ich, zumindest im Hinterkopf, denn ganz bedeutungslos wird es nicht sein, zumal ich hin und wieder Anschuldigungen gegenüber Geistlichen des Moskauer Patriarchats lese, sie würden agitieren (hab einen Artikel mit so einer Bemerkung vor kurzem verlinkt, ging um Odessa).

Ein paar Karten zur Veranschaulichung, oben waren ja schon die griechisch-katholischen, hier die Verteilung der Gläubigen des Moskauer Patriarchats

Kiever Patriarchat

Autokephale Kirche

Insgesamt ist der Nationalismus zwar eher sekulärer Natur, aber vereinzelt spielt Religion durchaus eine Rolle. Eine Gründungsorganisation des Rechten Sektors ist die Vereinigung Dreizack (beiden steht Dmitro Yarosh vor) und diese Organisation ist betont christlich, erinnert stark an die US-amerikanischen rechten Christen. Dmitro Yarosh selbst ist griechisch-katholisch getauft und betont seine Gläubigkeit nicht selten. Hebt dabei aber nicht seine konkrete Konfession hervor.
http://en.wikipedia.org/wiki/Tryzub_%28organization%29
– da steht nicht viel, der russische Eintrag ist wesentlich informativer. Da hab ich auch die Info her, dass Yarosh griechisch-katholisch ist, die deutsche und englische wiki sind da zwar oft lesenswert, aber weniger informativ.
http://en.wikipedia.org/wiki/Dmytro_Yarosh

Bei den Rebellen hingegen gibt es die „Russkaya Pravoslavnaya“-Miliz, welche vor allem aufgrund diverser Hip-Hop-Songs relativ bekannt geworden ist
https://www.youtube.com/watch?v=WIi7cBloy60 (der wohl bekannteste Song)
– und die sollen relativ zahlreich sein… keine Ahnung.

 

sonstiges

Kurz noch n Video, wo n deutscher OSZE-Mann mit gefangenen ukrainischen Soldaten spricht

– am ende stellt sich heraus, dass n anderer Deutscher auf seiten der Rebellen mitkämpft…

US-amerikanische Militärs sind seit kurzem in Moldavien aktiv und schulen die dortigen Soldaten

Und abschließend noch eine aktuelle Leser-Diskussion aus Kharkov
http://www.057.ua/news/585664
Vorgestern Nacht wurde eine Filiale der Privat-Bank (Kolomoiski) in Kharkov beschossen, unter anderem wurde eine nicht explodierte Granate gefunden.
– die Diskussion der Leser_innen ist krass gegen die derzeitige Ukraine gestimmt. Auffällig krass…

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28. Juli 2014: Soldaten, Betriebe, Umfragen

Proteste von Müttern und Verwandten nehmen zu, einige haben lange nichts mehr von ihren Söhnen, Ehemännern und Vätern gehört, Gerüchte über wesentlich höhere Verluste als zugegeben machen natürlich die Runde, und wie zuvor schon berichtet, greifen ukrainische Medien derartige Nachrichten verstärkt auf. Heute fand ich ein Video, wo die Bewohner/innen eines Dorfes die Einberufungsbescheide verbrannten

Hier noch Berichte über derartige Proteste in der Odessiter Oblast von gestern und heute
http://timer.od.ua/news/jiteli_odesskih_sel_ne_hotyat_idti_na_voynu_375.html
http://timer.od.ua/news/jiteli_chabanki_perekrili_trassu_trebuya_vernut_domoy_soldat_716.html
http://timer.od.ua/news/za_lojnoe_zaminirovanie_suda_shutnika_otpravili_v_tyur_mu_na_tri_goda_219.html

Ihr habt wahrscheinlich gehört, dass angeblich über 200 ukrainische Soldaten nach Russland geflüchtet sind, in den ukrainischen Medien hab ich zumindest heute nicht dazu gelesen. Hab aber auch keine Zeit gehabt, da konkret nach zu suchen. Andererseits werden ja verletzte ukrainische Soldaten in Russland behandelt (ich schrieb letztens darüber), vielleicht handelt es sich ja genau um diese, ich guck die Tage nochmal.

Insgesamt scheint es wohl so, dass die Mobilisierung nicht gerade freudig aufgenommen wird, das ist nun schon die Dritte! Es heißt zwar, es ginge darum, den im Einsatz befindlichen Soldaten eine Ruhepause zu ermöglichen, andererseits gibt es Videos und Meldungen, dass Leute, die gerade erst im Einsatz waren, wieder gezogen werden. Wie viele so etwas betrifft, kann ich nicht einschätzen, sind vereinzelte Nachrichten.
– auf jeden Fall scheinen sich Proteste zu mehren.

Die Freiwilligen-Bataillone hingegen scheinen beliebter zu sein, werden ja auch dementsprechend bezahlt…

http://www.tagesspiegel.de/politik/freiwilligenbataillone-haben-zulauf-der-krieg-in-der-ukraine-und-seine-soeldner/10256334.html
– sorry für den Tagesspiegel-Link, aber der liefert ein paar Infos. So auch der Folgende
http://www.tagesspiegel.de/politik/anschlaege-auf-buergermeister-kaempfe-im-osten-ukraine-land-im-schatten-der-gewalt/10254704.html

Ein interessanter Artikel zu der Flugzeug-Katastrophe
http://www.austrianwings.info/2014/07/mh17-abschuss-hintergruende-zum-russischen-raktensystem-buk/

Und hier krasse Bilder aus dem Kampfgebiet
http://timer.od.ua/news/obstrel_gorlovki_ulitsi_zavaleni_trupami_mirnih_jiteley_ostorojno_foto_i_video_770.html
– ihr müsst (oder müsst nicht, echt heftige Bilder) auf diese „осторожно фото“ klicken. Es handelt sich um die Stadt Gorlovka, 14 Zivilisten, darunter fünf Kinder, wurden durch den Artillerie-Beschuss durch die ukrainische Armee ermordet
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3398483-yz-za-obstrela-horlovky-pohybly-piatero-detei

 

BETRIEBE IN DER OSTUKRAINE

Viele Betriebe stehen still wegen der Gefechte, teilweise weil sie direkt vom Beschuss betroffen sind, teilweise weil die Energiezufuhr nicht mehr gewährleistet ist. So zum Beispiel viele Bergwerke
http://112.ua/ekonomika/iz-za-boevyh-deystviy-shahta-komsomolec-donbassa-priostanovila-svoyu-rabotu-dtek-93864.html
– in diesem Betrieb (gehört Ahmetov) arbeiten 5.000 Menschen. Aus Sicherheitsgründen wurde die Produktion auf Order von Ahmetov selbst eingestellt und nur noch das nötige Minimum wird erledigt (Ventilation, Entwässerung, etc), und zwar von Arbeitern aus der direkten Umgebung, die nicht durch umkämpftes Gebiet zur Arbeit müssen. Von den anderen sind einige nach Tarif beurlaubt, andere unbezahlt beurlaubt, aber mit Garantie, dass sie ihren Arbeitsplatz behalten.

Es sind eine menge Meldungen über Betriebe, welche die Arbeiten eingestellt haben… ich werd die jetzt nicht alle verlinken. Darüber hinaus fährt auch die Eisenbahn nicht, was anderen Betrieben in den nicht umkämpften Gebieten widerum Probleme mit der Rohstoff-Zufuhr bereitet. In Mariupol sind zwei Stahlwerke vom Rohstoff-Nachschub abgeschnitten und bemühen sich händeringend um Alternativen, damit der Betrieb nicht zum Stillstand kommt
http://112.ua/ekonomika/iz-za-ato-priostanovleno-obespechenie-syrem-2-h-mariupolskih-metkombinatov-gendirektor-93777.html

Die Koks- und Chemie-Fabrik (коксохимзавод) in Avdeevka hat seit dem 21.7. nur ein Viertel der nötigen Energie, heute ist auch die letzte von vier Stromzuleitungen (jeweils 110 kV) ausgefallen. Die Batterien sind jetzt in der Phase der „heißen Konservierung“, aber wenn nicht innerhalb von 24 Stunden die Energiezufuhr wieder einsetzt, werden sie unbrauchbar (sorry, mir fehlt sowohl Fachwissen als auch Fachvokabular um es besser zu übersetzen…)
http://112.ua/ekonomika/v-dtek-zayavili-chto-avdeevskiy-koksohimzavod-polnostyu-obestochen-iz-za-boevyh-deystviy-93875.html

Vor ein paar Tagen (23.7.) gab es dazu die Meldung, dass eine ökologische Katastrophe droht, wenn die Energiezufuhr wegbricht. Es drohe chemisch verseuchtes Wasser in den nahen Fluss auszutreten, überhaupt könnten die ganzen Chemikalien die Umgebung auf lange Zeit unbewohnbar (!) machen…
http://112.ua/glavnye-novosti/obestochivanie-avdeevskogo-koksohimicheskogo-zavoda-grozit-ekologicheskoy-katastrofoy-dtek-91649.html
Es handelt sich übrigens um diesen Betrieb
http://en.wikipedia.org/wiki/Avdiivka_Coke_Plant
Und der Betrieb gehört Rinat Ahmetov
http://112.ua/obshchestvo/boeviki-zahvatili-avdeevskiy-koksohimicheskiy-zavod-nepodtverzhdennaya-informaciya-89526.html

 

UMFRAGEN

Grundsätzlich ist, denke ich mal, klar, dass die Umfragen nicht als repräsentativ gelten können, im wissenschaftlichen Sinn, aber sie werden nicht von grundsätzlichen Stimmungsbild abweichen. Außerdem merken die Verantwortlichen, wenn eine Umfrage gezielt manipuliert wird und irgendein Roboter-Programm andauernd abstimmt.

Hab vor ein paar Tagen erst gesehen, dass eine Umfrage deswegen abgebrochen wurden, bei korrespondent.net, die ist auch nicht mehr im System
– am Ende der Links, die Zahl: Gerade = Russisch gefragt, Ungerade = Ukrainisch gefragt. 5661 und 5662 ergeben Fehlermeldungen, da war die Umfrage, die anscheinend von pro-russischen Aktivisten gekapert wurde.

Die Frage von 112.ua zur NATO-Mitgliedschaft läuft noch, Teilnehmerzahl von 25.286 auf 35.319 gestiegen, aber die Ergebnisse zeigen nur minimale Veränderungen, unter 1,0%…
http://112.ua/oprosy/
Und dann noch vier Ältere von korrespondent.net

Wie viel Geld haben Sie für die ukrainische Armee gegeben (wörtl. „geopfert“)?
http://korrespondent.net/Default.aspx?page_id=51&lang=ru&id=5660
von 17.256 stimmten
– 68,3% „Ich habe nichts zum Nutzen der ukrainischen Armee geopfert“
– 16,7& „Bis 100 Griven“
– 6,5% „Bis 500 Griven“
– 2,7% „Bis 1000 Griven“
– 5,8% „Über 1000 Griven“

Wie stehen Sie zum unwiderruflichen Verkauf staatlichen Eigentums?
http://korrespondent.net/Default.aspx?page_id=51&lang=ru&id=5658
von 14.431 stimmten
– 59% „Negativ. Alles kaufen Oligarchen auf, zu nicht marktkonformen Preisen“
– 26,6% „Man sollte nur verlustbringende Unternehmen privatisieren“
– 8,7% „Positiv. Ein effektiver privater Investor wird die Unternehmen leiten“
– 5,7% „Mir egal, sollen se doch verkaufen“

Welchen Medien vertrauen Sie am meisten?
http://korrespondent.net/Default.aspx?page_id=51&lang=ru&id=5664
von 21.154 stimmten
– 37,9% „Ich vertraue den Medien überhaupt nicht“
– 32,5% „Den Russischen“
– 22,8% „Den Ukrainischen“
– 5,2% „Westeuropäischen“
– 1,7% „Amerikanischen“

Wie macht sich der Anstieg der kommunalen Tarife in Ihrem Hausbudget bemerkbar?
http://korrespondent.net/Default.aspx?page_id=51&lang=ru&id=5656
von 11.503 stimmten
– 54,4% „Macht sich wesentlich bemerkbar, das Geld reicht nicht um sie zu bezahlen“
– 35,4% „Der Anstieg der Tarife macht sich bemerkbar, aber es ist noch nicht kritisch“
– 10,2% „Macht sich überhaupt nicht bemerkbar, für mich sind das unwesentliche Ausgaben“

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26. Juli 2014: BUK-System, Jarosh’s Visitenkarte, Soldaten

Ich schätze mal, über die Boeing der Malaysia Air lest ihr ohnehin einiges. Wirklich Erhellendes dazu hab ich nicht zu bieten, aber einige Informationen und Gedanken schon. Seht es einfach als Link-Sammlung. Sollte es euch nicht weiter interessieren, scrollt runter zu „Sonstiges“.
– Ich hab das Folgende in den letzten drei Tagen geschrieben, immer wieder was hinzugefügt, und nicht wirklich chronologisch geordnet. Aber ich denke, man kann’s lesen.

Falls ihr die Pressekonferenz der russischen Armee zum Thema nicht mitbekommen habt:

Die USA haben ihrerseits heute eine PK gehalten, sie sprachen von sich verdichtenden „Hinweisen“, „wir glauben“, „es scheint“, etc.
http://www.nytimes.com/2014/07/23/opinion/putins-crime-europes-cowardice.html?_r=0

Sie legten dabei im Gegensatz zu den Russen keine eigenen Bilder vor, sondern argumentierten eher anhand von „Logik“ und in sozialen Netzwerken zu findenden Aufnahmen. Hier aus der Washington Post:
http://www.washingtonpost.com/world/national-security/us-intelligence-states-its-case-on-the-shoot-down-of-mh17/2014/07/22/a2c6ca44-11f9-11e4-98ee-daea85133bc9_graphic.html
Die Bilder 1 und 2 sind, soweit ich weiß, Fotos, das Bild 3 stammt aus diesem Video:

– das Video zeigt Snezhnoe, direkte Nachbarstadt von Torez, und es geht in südliche Richtung: http://maps.yandex.ua/-/CVroINZQ – die Grenze zu Russland ist etwa 6-7 km entfernt. Bei den Bildern 2+3 fährt das Gefährt eigenständig, auf Bild 1 ist es auf nem Tieflader, derselbe wie hier:

und hier, die wohl berühmteste Aufnahme https://www.youtube.com/watch?v=L4HJmev5xg0

Beim letzten Video (mein Bild 4) hieß es zuerst (ukr.version, Avakov auf facebook) das sei in Krasnodon, dann meldete sich angeblich ein Bewohner aus Krasnoarmeisk und sagte „nein, das ist hier“ und der beworbene Autohändler sei in der dortigen Dnepro-Petrovsker Str. 34 (das war dann auch die rus.version in der PK), und jetzt heißt es (ukr.version, Avakov auf facebook), das sei in Lugansk aufgenommen worden. Sieht so aus, als ob es diesmal stimmt:

https://www.google.com/maps/@48.5455869,39.2646787,250m/data=!3m1!1e3
Und hier nochmal Bild 1, in Torez:

– das sind gute 100 km zwischen Torez und Lugansk (Bild 1 und 4), gleichzeitig fehlt in Torez‘ Nachbarstadt Snezhnoe (Bild 2 und 3) die Zugmaschine, also alles ein wenig unklar und nicht wirklich nachvollziehbar…

Hier übrigens eine Variante für die angebliche gesamte Route, mit mehr Fotos und Einzelheiten, gerade erst entdeckt (24.7.):
http://ukraineatwar.blogspot.nl/2014/07/russian-transport-of-buk-into-ukraine.html
– da sind eine Menge Links mit „Beweisen“ dafür, dass der BUK am 17.7. gegen 13:30 in die Ukraine gebracht wurde, und nach seinem Einsatz wieder zurück. Auch dafür, dass GRAD von russischem Territorium abgefeuert würde, etcetera. Das ist eine zentrale Seite für die ukrainische Darstellung des Konflikts.

Es ist jeweils immer nur die Abschuss-Apparatur der BUK zu sehen, ohne die restlichen Fahrzeuge (Kommandozentrale und Radarstation), und da von denen nicht ein Bild vorgelegt worden ist, gibt es weiterhin Streit… So wird immer wieder die Frage aufgeworfen, wie denn dieser BUK – vorrausgesetzt er gehöre überhaupt den Sepas – das Flugzeug getroffen haben soll, ohne die Radaranlage zur Zielerfassung.
– während einige behaupten, dass ginge auch ohne, bestehen andere darauf, dass es mindestens folgende drei Komponenten brauche:

Kommando-Wagen – 9S470: http://ru.wikipedia.org/wiki/9%D0%A1470
Radar-Wagen – 9S18: http://ru.wikipedia.org/wiki/9%D0%A118
Abschuss-Wagen – 9A39: http://ru.wikipedia.org/wiki/9%D0%9039

Der Apparat, der auf den Videos und Fotos gezeigt wird jedoch, ist da nicht verlinkt:
Die 9A310: http://ru.wikipedia.org/wiki/9%D0%90310
– die ist zwar in den BUK-Komplex integriert, hat aber den Vorteil, zur Not auch autonom agieren zu können. Die hat zu diesem Zweck in dem auffälligen Vorbau ein eingebautes Zielradar.

BUK ist eine Weiterentwicklung des KUB, und das entscheidende Brückenglied ist die 9A38, das erste sowjetische TELAR
http://ru.wikipedia.org/wiki/9%D0%9038
– entstanden im Rahmen der vierten Modifikation des KUB-Systems, wurde darauf aufbauend das BUK-System entwickelt, welches sich von KUB eben dadurch unterscheidet, dass eine „selbständige mobile Feuereinheit“ integriert ist. Aus einem einfachen TEL (bei KUB die 2P25 http://ru.wikipedia.org/wiki/2%D0%9F25 ) wurde ein TELAR, wo ein Radar mit eingebaut ist, welches ermöglicht, selbständig Ziele zu finden und zu beschießen. Auch die einfachen TEL’s des BUK (wie die oben verlinkte 9A39) sind nicht mehr bloß Abschussrampe, sondern zugleich auch Nachladestation für die 9A310. BUK ist also insgesamt flexibler und effektiver als KUB.
http://en.wikipedia.org/wiki/Transporter_erector_launcher_and_radar

Hier noch ein Film zur Entwicklung des BUK-Systems, wo genau das auch zur Sprache kommt (setzt an der richtigen Stelle ein, is aber auf Russisch)

Letzten Endes ist es eigentlich, wie so oft, ein linguistisches Problem: Die Rebellen haben kein BUK, denn BUK bezeichnet den gesamten Komplex, und das haben sie definitiv nicht. Wenn überhaupt, dann haben/hatten sie lediglich die BUK-Komponente 9A310, welche allerdings auch ohne die anderen BUK-Komponenten in der Lage ist, eine Boeing vom Himmel zu holen.

Wenn der gesamte Komplex arbeitet, ist er natürlich wesentlich effektiver, es können bis zu sechs Objekte pro Himmelsrichtung gleichzeitig bekämpft werden etc., plus: es können zivile und militärische Objekte klar unterschieden werden. Die 9A310 alleine kann jedoch nur unterscheiden, ob es sich um Flugzeug, Hubschrauber oder Rakete handelt…

Trotzdem: Um eine etwa 900 km/h schnelle Maschine auf 10.000 m Höhe anzupeilen und zu treffen – das passiert nicht aus Versehen, ziemlich unwahrscheinlich. Das Flugzeug legt 15 km pro Minute zurück, die Reichweite der Rakete beträgt maximal 32 km, da bleiben zwei Minuten, netto. d.h.: Ziel entdecken, erfassen, anpeilen und schießen, alles in zwei Minuten – da müsste es jemand verdammt eilig gehabt haben…
Als Gesamtkomplex hingegen, mit dem Radar-Wagen, vervierfacht sich die Zeit, die 9S18 kann Ziele in einer Entfernung von 110-120 km erfassen (das Radar der 9A310 hingegen reicht nicht weiter als die Rakete).

Ich gehe zwar davon aus, dass das Feuerleitradar der 9A310 in der Lage ist, die Höhe des Ziels exakt zu bestimmen, müsste aller Logik nach so sein finde ich – aber ich weiß keine technischen Details dazu (in diesem Fall wäre es nämlich definitiv ein gezielter Abschuss gewesen). Denn falls nicht, wäre zumindest vorstellbar, dass die Boeing für eine halb so hoch und halb so schnell fliegende AN-26 gehalten wurde, und dann wäre die Version der USA stichhaltig, dass die Separatisten die Boeing wahrscheinlich aus Versehen abgeschossen hätten…

Wobei das Szenario, dass eigentlich ein tiefer fliegender Kampfjet hätte getroffen werden sollen, dieser aber auswich, die Rakete vorbeiflog und die darüber fliegende Boing traf, nicht nur unwahrscheinlich ist, sondern technisch nicht möglich, denn der Feuerleitradar der 9A310 leitet die Rakete zum angepeilten Ziel. Um ein solches Szenario trotzdem eintreten zu lassen, hätte der ausweichende Jet ein gezieltes und gekonntes Ausweichmanöver in relativer Nähe zur Boeing hinlegen müssen…
– soweit ich weiß zumindest. Ich bin kein Militär-Experte, sondern habe mir nur stundenlang Diskussionen in sozialen Netzwerken und wikipedia reingezogen…

Egal. Die Amerikaner argumentieren also zumindest stichhaltig, die Kiever Regierung hingegen erzählt einfach nur Mist:
https://www.youtube.com/watch?v=PWtH8AA42Fc (Englisch)
Es reicht, sich die ersten fünf Minuten anzugucken, einfach um einen Eindruck zu kriegen. Kiev macht explizit die Russen verantwortlich und behauptet, die Rebellen handelten auf direkten Befehl aus Moskau. Und bei 4:15 sagt der Sprecher sogar, dass die Terroristen genau wussten, dass sie eine zivile Maschine auf über 10.000 Meter beschießen…

Bei diesem letzten Video, die Bilder ab 4:20, da ist folgendes interessant. Das Foto oben rechts ist aus diesem schon weiter oben verlinkten Video, das Berühmte, direkt vom ukrainischen Innenministerium hochgeladen:

Das Foto unten links ist jedoch vom 17. März 2014 und nicht vom 17. Juli. Es hat nichts mit dem anderen Foto zu tun! (oder vielleicht doch? k.A.):
http://vk.com/video246185435_168140448?hash=c2fc6c689b4fb0db

Das Krasse darüber hinaus ist aber: die Frau, welche diese 9A310 vor vier Monaten filmt, geht gezielt um die Zugmaschine herum und filmt die Nummernschilder – und der hier zu sehende Tieflader ist aus: Dnepro-Petrovsk, wo der berühmte Mr. Kolomoiski zu der Zeit schon zwei Wochen Gouverneur ist.
http://nomer.pp.ua/auto/AE4483HE
Und heute machte der Vize-Sprecher des Unterhauses der Duma diese darauf aufmerksam, dass Kolomoiski die Dispatcher-Dienste am Flughafen Dnepro-Petrovsk finanziert und entsprechend großen Einfluss dort hat. Außerdem hat er bekanntermaßen seine Miliz und schweres Gerät. Man solle seine Rolle beim Flugzeugabsturz näher untersuchen…
http://lifenews.ru/news/137146
Das hat u.a. zu tun mit der behaupteten Kursänderung der Boeing (auch in der russischen PK erwähnt).

Hier übrigens die Reaktion der Russen auf die US Pressekonferenz. Der russische Verteidigungsminister spricht Englisch

 

S O N S T I G E S
Heute nur wenig, war mit anderen Sachen beschäftigt. Werd mich in der nächsten Zeit wieder mehr um Lokales, Soziales, Konflikte, etc. kümmern. Die folgenden Nachrichten sind aus der letzten Woche, ohne chronologische Ordnung, die Daten findet ihr ja in den verlinkten Artikeln.

ALLGEMEIN

Zunächst noch ein kurzer Nachtrag zum obigen Thema, weil ich’s dermaßen billig und erbärmlich fand, wie die Rebellen im Gefolge der Katastrophe als Unmenschen dargestellt wurden – und zwar auf allen Kanälen, von FAZ bis TAZ… Hier aus’m Tagesspiegel:
„wer jetzt noch mit Zigaretten im Maul Teddybären Trophäen gleich in Kameras hält“…
– das Foto von diesem offensichtlich angetrunkenen Rebell mit dem Teddy in der Hand ging ja um die Welt. Hier der Zusammenhang, seine Worte sind: „Hier, damit diese Arschlöcher sehen, wen sie da abgeschossen haben! Seht ihr?!“

Gleichfalls dazu, aus DP: Den Kommentaren und den Bewertungen nach zu Urteilen, sehen die meisten Leser_innen von 056.ua die Verantwortung für die MH 17 Katastrophe bei der Ukraine, bzw. bei der Lokal-Regierung in DP und den Dispatchern des DP-er Flughafen. Und die Nachricht samt Kommentaren ist vom 20.7., einen Tag vor der russischen PK. Der Autor schreibt, was es auch hier in D’land zu lesen gab, die Leser_innen geben wie auch hier das gleiche Kontra.
http://www.056.ua/news/579868

Außerdem hat 056.ua einen Facebook-Eintrag von Andrei Denisenko, Vize des Rechten Sektors, auszugsweise wiedergegeben, wo er sich zu Dmitro Yarosh’s berühmte Visitenkarte äußert, die am 20. April bei Slaviansk gefunden wurde. Ich hab ja darüber geschrieben, und jetzt ist es amtlich: Der Rechte Sektor hat damals wirklich diesen Posten der Rebellen angegriffen, das war keine billige russische Propaganda-Aktion.
http://www.056.ua/news/580999
„Da war nicht bloß eine Visitenkarte, sondern Dmitro Yarosh höchstpersönlich, welcher die Kampfgruppe des RS anführte und an dieser nächtlichen Schlacht teilgenommen hat.“

„К тому же мало кто из работников его собственного избирательного штаба мог себе представить, что политик и кандидат в президенты Ярош, фактически плюнув на свою избирательную кампанию, как простой солдат рискует жизнью под пулями. В сухом остатке, благодаря фантазиям и страхам московской пропаганды и мужества наших ребят, есть новый национальный бренд „визитка Яроша“, первую победу над террористами и единственного политика, который не красуется для камер на фоне военных пейзажей, а действительно воюет за единство Украины. Теперь вы знаете – визитка Яроша – не миф, а реальность, убийственная для сепарастив и путинских пришельцев.“

(„Kaum einer der Mitarbeiter seines Wahlkampfteams konnte sich vorstellen, dass der Politiker und Präsidentschaftskandidat Yarosh, praktisch auf seinen Wahlkampf spuckend, als einfacher Soldat sein Leben unter Feuer riskiert. Unterm Strich, dank der Phantasien und Ängste der Moskauer Propaganda und der Mannhaftigkeit unserer Jungs, gibt es die neue nationale Marke „Yaroshs Visitenkarte“, einen ersten Sieg über die Terroristen, und den einzigen Politiker, der nicht für die Kamera geschminkt vor dem Hintergrund kriegerischer Landschaften, sondern wahrhaftig für die Einheit der Ukraine kämpft. Jetzt wisst ihr – Yaroshs Visitenkarte – das ist kein Mythos, sondern tödliche Realität für Separatisten und putinische Eindringlinge.“)

Dazu, dass Yarosh von Interpol gesucht wird, äußert es sich nicht weiter als „Ich werde nicht fluchen, schließlich bin ich Christ“. Das Innenministerium hat angekündigt, es werde ihn nicht ausliefern.
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3397467-yarosh-o-rozyske-ynterpola-materytsia-ne-khochu-tak-kak-khrystyanyn

 

UMFRAGEN

„Unterstützen Sie das Verbot der Kommunistischen Partei der Ukraine?“
http://korrespondent.net/Default.aspx?page_id=51&lang=ru&id=5666
von aktuell 11.643 Stimmen:
– 44,9% „Nein, ein Teil der Bevölkerung unterstützt sie“
– 34,6% „Ja, sie sind an der Verletzung der Gesetzgebung beteiligt“
– 16,2% „Man sollte es auf die Fraktionsauflösung begrenzen und das Volk bei der nächsten Wahl entscheiden lassen, ob die Ukraine die Kommunisten braucht“
– 4,3% „Mir egal, die Kommunisten haben keinen Einfluss auf die politische Situation im Land“

und noch die von 112.ua – http://112.ua/oprosy/
Die Umfrage „Haben Sie Geld überwiesen, um der ukrainischen Armee zu helfen“ endete am 22.7 (fing an am 14.7.). Von 30.088 stimmten:
– 37,62% „Nicht überwiesen“
– 28,94% „An die andere Seite überwiesen“
– 28,58% „Überwiesen“
– 3,84% „Der Armee – nein; den Verwundeten und Flüchtlingen – ja“
– 1,03% „Der Territorial-Verteidigung überwiesen“

Aktuell läuft die Frage „Soll die Ukraine die NATO-Mitgliedschaft beantragen?“
Bisher 25.286 Stimmen:
– 50,33% „Nein, unterstütze ich nicht“
– 39,21% „Ja, sofort“
– 5,83% „Ja, aber erst nach Ende der ATO“
– 2,72% „Mir egal“
– 1,91% „Ich weiß nicht“

 

SOLDATEN

Die Demos von Müttern und anderen Verwandten mehren sich, alle paar Tage gibt es Nachrichten dazu
http://vesti.ua/lvov/61864-vo-lvovskoj-oblasti-rodnye-voennyh-perekryli-trassu
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3396244-na-prykarpate-protestuuit-rodstvennyky-pryzyvnykov

Interessant ist auch dieses Interview mit einem Offizier, der in der ATO im Einsatz war. Er sagt z.B. dass von einer „Antiterroristischen Operation“ keine Rede sein könne, im Osten ist Krieg, richtiger Krieg, und die gelogen beschönigende Darstellung der Kommandierenden führt nur dazu, dass das Land falsche Vorstellungen davon hat, so auch die Jungs, die zum Kämpfen da hinkommen. Er spricht von schlichtem „Debilismus“ der Armeeführung, und erzählt, dass die Generäle Saunen und Fitness-Center in den Lagern hätten, und sich ohne persönliche Bodyguards nirgendwo hin bewegen würden.
– und fordert natürlich eine vernünftige Mobilisierung und die nötige kriegerische Ernsthaftigkeit.
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3396308-volonter-ato-rasskazal-o-saunakh-dlia-heneralov-y-obstrelakh-hradamy

Interessant finde ich auch, dass er von „Verrätern“ spricht… Der wird da nicht konkreter, aber anscheinend spielen die eine wichtige Rolle, und es passt zu den Behauptungen der Rebellen über Überläufer.
– die sich daraus ableitende Frage lautet: Was für Folgen wird die vor ein paar Tagen beschlossene Teilmobilisierung von etwa 45.000 Reservisten und Wehrpflichtigen haben? Gerade die Älteren, welche die Sowjetunion noch erlebt haben, könnten ein kritisches Potenzial darstellen und Probleme machen…

Die 72. Brigade spricht von massiven Verlusten, die gesamte Technik sei vernichtet, bzw. stark beschädigt. Sie bitten um Verstärkung mit den Worten „Heute ist der letzte Tag“ (25.7.)
http://korrespondent.net/ukraine/3397405-sehodnia-poslednyi-den-72-ya-bryhada-vsu-pod-sverdlovskom-prosyt-o-pomoschy

Abgefahren finde ich die anti-russischen Kommentare unter der Nachricht, dass die Russische Föderation verwundete ukrainische Soldaten kostenlos behandelt…
http://korrespondent.net/world/russia/3397473-ukraynskye-voennye-lechatsia-v-rossyy-besplatno-mynzdrav-rf
– natürlich sind nicht alle Kommentare anti-russisch (sind se unter keinem Artikel, is ziemlich ausgeglichen). Aber dass es sie unter dieser Nachricht gibt, is einfach nur abgefahren… „Auch Josef Mengele hat Soldaten umsonst behandelt“, nur als Beispiel, durchaus repräsentativ.

 

ODESSA

Heute nur wenig, zwei Videos. Aktivisten des Euromaidan hatten am 22.7. Gebäude piketiert – Gericht, Polizeiwache, ich weiß es nicht mehr – weil einer ihrer Aktivisten festgenommen wurde, warum weiß ich grad auch nicht mehr… Kann ich auf Anfrage aber gerne rausfinden.
– auf jeden Fall fallen denen bei geparkten Autos Georgsbänder auf, und, naja, schaut’s euch an


– hier holen sie extra noch die Polizei dazu, weil die seine Personalien aufnehmen solle, er ist offensichtlich ein Separatist und sympathisiert mit den Terroristen.


– auch hier Separatist, Straftäter, Terrorist… Provokationen, es kommt zu Gerangel, kurzer Schlagabtausch, und am Ende (ab 4:15 etwa) die Hymne…

Anlass war nur das Georgsbändchen am Rückspiegel… beide Male.

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16. Juli 2014: Kurz: Milch-Business, Euromaidan Odessa, Osten

Verglichen mit dem Vorjahr, ist die Ausfuhr von Milch und Milchprodukten aus der Ukraine in diesem Jahr um 30% gesunken, allein auf den russischen Markt bezogen beträgt der Rückgang gar 40-46%.
Die Milchproduzenten werden ihre Produkte nicht los, selbst im Landesinneren ist der Verbrauch von 2988 Tonnen im Januar auf 2248 Tonnen im Juni gesunken – „und das obwohl der Verbrauch im Sommer bisher immer gestiegen ist.“

Rohmilch kostet mittlerweile 15-17% weniger als sonst, die Preise der weiterverarbeiteten Produkte jedoch fallen (anders als in Vorjahren) nicht, statt dessen versucht man, den arabischen Markt zu erschließen. Was sich aber nicht wirklich rechnen werde: Während man z.B. Trockenmilch für 3.500 $/t an Russland verkaufen könne, so seien auf dem arabischen Markt nur 3150-3200 $/t zu erreichen…
http://business.vesti.ua/61256-ukrainskie-molochniki-ne-gotovy-silno-snizhat-ceny

 

ODESSA

In Yuzhniy (odessiter oblast) werden die Menschen ab dem ersten August 27% mehr für ihre Wohnungen zahlen müssen, kommunale Tarife, sprich Nebenkosten.
http://timer.od.ua/news/v_yujnom_na_27_podnimut_kvartplatu_568.html

Am 20. Juli, jetzt Sonntag, ist um 18 uhr eine Kundgebung gegen die EU-Assoziierung geplant, auf dem Kulikovo Pole, vor dem Gewerkschaftshaus
http://timer.od.ua/news/evromaydanovtsi_namereni_lyubimi_sposobami_ne_dopustit_mitingov_na_kulikovom_pole_637.html
– aus dem abgebildeten Flyer (leicht gekürzt):

„WIR SAGEN NEIN zur Ratifizierung des schändlichen Vertrages mit der EU.
Dieser als „größter Verdienst“ dargestellte Vertrag ist nichts weiter als eine Kolonisierung der Ukraine.
Die Assoziierung mit der EU heißt:
– Vernichtung heimischer Produzenten und des wissenschaftlichen und industriellen Potenzials des Landes
– dutzende Milliarden Verlust im Staatsbudget, exorbitante Kosten (120-150 mlrd Eur) für die Umorientierung der Ökonomie unter die Bedingungen der EU
– Schließung vieler Betriebe wegen Nicht-Erfüllens von EU-Standarts, Massenarbeitslosigkeit, steigende Preise
– Propagierung der sog. „LGBT-Kultur“, welche unserem Volk fremd ist“

So weit so gut… Aber: Im verlinkten Artikel geht es eigentlich darum, dass der odessiter Euromaidan diese Kundgebung gerichtlich verbieten lassen will und zu diesem Zwecke am 19.7. das Rathaus und die Polizeizentrale picketieren will, damit diese „Versammlung der Kartoffelkäfer“ nicht zugelassen wird.
Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, so werden sie selbst dafür sorgen, dass die Veranstaltung nicht stattfinden kann. „Die separatistischen Sabbathe in Odessa sind vorbei!“

DAS, Leute, ist der Euromaidan. Und nur das.
Die stellen keine sozialen Forderungen, sondern bekämpfen die, welche solche Themen ansprechen, als Separatisten. Der ideologische Background oder deren theoretische Analyse beschränkt sich darauf, dass an allem Russland und die Sowjet-Vergangenheit schuld sind, und mit der West-Ausrichtung alles besser wird… Mehr haben die nicht zu bieten.
– und gebt euch nicht der Illusion hin, es ginge ihnen um Solidarität mit der LGBT-Kultur! Die „Liberalen“ in diesem Sinne sind sowohl bei Euro-, als auch bei Anti-Maidan eine Minderheit (wobei „Liberale“ insgesamt natürlich eher den Euromaidan gut finden).

Heute morgen hat die Polizei bekannt gegeben, dass sie in der Umgebung von Odessa eine illegale Nähfabrik ausgehoben hat, wo etwa 15 illegale Asiatinnen und Asiaten rund um die Uhr gefälschte Markenkleidung produziert haben.
http://timer.od.ua/news/v_odesskoy_oblasti_nelegali_aziati_shili_lipoviy_adidas_552.html

 

OSTUKRAINE/NOVOROSSIYA

Die Kampfhandlungen im Osten scheinen mächtig in der Krise zu stecken, die Zentralgewalt kommt nicht voran, es sieht eher danach aus, dass die Rebellen in der Offensive sind. Ohne auf deren Seiten zu gucken, einfach nur aufgrund der Berichterstattung in ukrainischen Blättern. Dieses gestern verlinkte Telefongespräch war nur der Anfang, heute gibt es zwei weitere bei der Kiev Times (mit youtube.links, auch zu dem gestrigen Anruf bei 112.ua)
http://thekievtimes.ua/society/388803-ledenyashhaya-pravda-ob-ato.html
– es wird von Verrätern in den eigenen Reihen gesprochen, und von nicht nachvollziehbaren Befehlen. Ein Offizier sagt „Das ist nicht einmal Verteidigung, wir erdulden einfach eine Niederlage.“ Die Soldaten sind eingekreist, sie können nicht einmal genau sagen, wer auf sie schießt. Es könne sein, dass sie auch von russischem Territorium aus beschossen würden. Die Rede ist von Drohnen, die über ihnen im Einsatz seien, wessen ist nicht klar.

Er erwähnt auch diese Attacke bei Zelenopole am 11.7., und spricht von mindestens 200 Toten, es sei unfassbar, dass die Kommandoebene nur von knapp über 20 spricht. „Wie lange wir noch aushalten? Keine Ahnung, vielleicht noch ein, zwei Tage…“

Auch andere Medien berichten darüber, das ist anscheinend Top-Thema…
http://vesti.ua/donbass/61217-soldaty-ato-rasskazali-o-strashnyh-poterjah-72-j-mehbrigady-v-bojah-pod-luganskom
http://gazeta.ua/ru/articles/np/_sily-ato-otstupili-ot-granicy-mnogo-pogibshih-i-ranenyh/569997
– auf pravda.com.ua sind es mehrere Kurzberichte. Eine Niederlage, Rückzug, oder etwas in diese Richtung scheint sich abzuzeichnen…

Das Verteidigungsministerium hat heute zugegeben, dass russisches Territorium beschossen wurde, zumindest in der letzten Nacht. Das sei jedoch Folge dessen, dass die ukrainischen Soldaten von Rebellen aus dem direkt an Russland grenzenden Gebiet beschossen werden und man dieses Feuer erwidere
http://vesti.ua/donbass/61259-kiev-priznalsja-v-obstrele-rossijskoj-granicy

Bilder von der Front
http://photo.vesti.ua/donbass/2273-boj-ikony-i-pole-v-cvetah-foto-s-peredovoj

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Für Einsteiger: Mitte Juni bis 15. Juli 2014

Aus dem Inneren der Ukraine (Presseschau)

(Diese Presseschau ist aus einer Diskussion mit zwei Freunden entstanden. Als ich auf einer Veranstaltung davon erzählte, hatt ich gleich einige Leser_innen mehr, und für die habe ich folgende Einleitung verfasst.)

Aus den mails der vergangenen Wochen hab ich einige Sachen herauskopiert, um eine Einleitung oder Vorgeschichte bieten zu können, ohne euch die ganzen mails zu schicken – die sind einfach zu lang und entstanden aus einer konkreten Diskussion – das würdet ihr eh nicht alles lesen…

Okay, zugegeben, auch auch diese mail ist lang, aber das ist sozusagen das „best of“ aus allen mails der letzten vier Wochen. Es sind ein paar allgemeine Sachen, und eine Auswahl meiner Kurzrezensionen von Nachrichten aus ukrainischen (lokalen) Medien – ohne meine Kommentare und Einschätzungen. Einen Teil davon hab ich kurz als PS und PPS am Ende dieser mail mit reingenommen, als Bonus sozusagen.
– ich hab gerade nochmal alles durchgelesen und keine 20 Minuten gebraucht. Ihr werdet sehen, diese viertel Stunde lohnt sich.

Angefangen hat die Diskussion mit meinen Bekannten über die Einschätzung des sog. Anti-Maidan, von da ausgehend auch ausgeweitet auf das Thema Novorossiya und Faschisierung der Ukraine. Zum Veranschaulichen meiner Sicht hab ich denen dann kurz zusammengefasste Nachrichten aus den ukrainischen Lokalmedien geschickt, wo ich auch die Diskussionen in den Kommentarspalten kurz anreiße und grob wiedergebe. Hinzugenommen hab ich dann noch die Konflikte zwischen Oligarchen, Nachrichten über das Kampfgeschehen im Osten, die wirtschaftliche Lage, soziale Proteste – im Grunde, alles, was mir spontan interessant und erwähnenswert erscheint.

 

ALLGEMEINES

Über die Anführer der Separatisten hat die Bundeszentrale für politische Bildung am 6. Juni einen interessanten Text veröffentlicht, der am 19. Mai auf Russisch erschienen war. Ich teile nicht alle Interpretationen, aber der Text ist informativ, hier ein Auszug:

„Puschilins Leute […] schaffen ein überzeugendes Bild des Separatismus in Donezk. Ich nehme an, dass Rinat Achmetow genau dieses Bild benötigte, um mit Kiew zu verhandeln und versprechen zu können, Puschilin und seine Leute zum Rückzug zu bewegen, wenn Kiew die gewünschten Zugeständnisse mache. Es wäre wahrscheinlich letztendlich auch alles so gelaufen, wenn da nicht Slowjansk gewesen wäre. In Donezk sitzen Leute in Verwaltungsgebäuden, Rentner gehen zu Kundgebungen und auf den Straßen sind Pseudobarrikaden zu sehen. In Slowjansk ist alles ernst. In Slowjansk sitzt Strelkow.
[…] Sein Auftauchen in Donezk nicht in der Rolle eines geheimen Beraters, sondern eines Menschen, der offen ein schweres Verbrechen nach ukrainischem Recht begeht, zeigt, dass er nicht mehr von jemandem angestellt ist. Die jüngsten Äußerungen Strelkows zeigen alles Mögliche, aber nicht, dass ihm Russland hilft. […]
Dass Borodai sich Strelkow angeschlossen hat, gehört zu einer Geschichte über wahre Freundschaft und sonst nichts. Borodai kann nicht als Beweis für die Verantwortung des Kreml an Strelkows Aktivitäten dienen. Das ist nicht die Hand Moskaus, es ist einfach Borodai – auch so etwas gibt es.“
http://www.bpb.de/internationales/europa/ukraine/185497/die-anfuehrer-der-separatisten-in-donezk-und-luhansk

 

Ukrainischer TV-Bericht über Flüchtlinge aus Slaviansk (dt. Untertitel, äußerst sehenswerte 5 Minuten!)

Der Angriff auf das Verlagsgebäude der Zeitung „Vesti“ am 5. Juli in Kiev (2 Minuten)

Warum Russland noch immer nicht in den Konflikt eingegriffen hat (dt. Untertitel, auch sehr empfehlenswerte 3 Minuten!)

Interessant sind auch die Umfragen von 112.ua – http://112.ua/oprosy/
In der vom 1.-14.7. wurde gefragt „Unterstützen Sie die Fortführung der ATO?“
219.410 Stimmen: 60,1% Nein; 39,6% Ja

Seit dem 14.7. lautet die Frage: „Haben Sie Geld überwiesen, um die ukrainische Armee zu unterstützen?“
14.945 Stimmen bisher: 41,6% „nicht überwiesen“; 31,1% „an die andere Seite überwiesen“; 22,3% „überwiesen“; 4,1% „der Armee – nein, den Flüchtlingen und Verwundeten – ja“.

 

Zwischen mitte Juni und anfang Juli gab es „Protestaktionen“ des Rechten Sektors gegen russische Banken, in mehreren Städten. In der Regel beschränkte sich das (soweit ich weiß) auf picketing-Aktionen, aber in Zhitomir sind die Aktivisten stundenlang unterwegs gewesen und haben fünf russische Banken demoliert. Vor den Augen der Bullen!

Bei 1:15 gibt es die Megaphon-Ansage „Nein zu russischen Banken in der Ukraine“, und bei 4:08, nach der Visitenkarte von Dmitro Yarosh (übrigens genau die, die auch am 20. April bei Slaviansk „gefunden“ wurde, als sich die halbe Welt in den sozialen Netzwerken über die „tumbe russische Propaganda“ lustig gemacht hat:
http://euromaidanpress.com/2014/04/20/hashtag-yaroshs-business-card-blows-the-internet-away/
– auf jeden Fall ist nach dieser Karte ab 4:15 ein Aufkleber zu sehen „Boykottier russische Waren! Kauf ukrainisch ein!“

Noch was zum neunten Mai:
Der Gouverneur von Kherson (auch Südosten) hat bei der dortigen Feier öffentlich gesagt, dass Hitler eigentlich die Leute von Joch des Kommunismus befreien wollte…
http://www.streetmob.org/news/natsionalizm/1282-gubernator-khersonskoj-oblasti-nazval-gitlera-osvoboditelem
Der sagt das vor Veteranen! In dem link ist ein Video, die Ansage kommt ab 0:50 etwa. Guckt’s euch an, auch wenn ihr kein Ukrainisch könnt, die Reaktion der Leute ist eindeutig…

 

K I E V

[9. Juli 2014]
Klitschko hat letzten Freitag dazu aufgerufen, die für Samstag geplante Demo für die Rechte sexueller Minderheiten abzusagen. Er sprach davon, dass man angesichts des Krieges im Land und der Tatsache, dass im Donbass Menschen sterben, eine derartige Veranstaltung nicht machen könne, es sei „nicht richtig“.
http://vesti.ua/kiev/59675-klichko-prizval-vozderzhatsja-ot-razvlechenij-i-gej-paradov-vo-vremja-vojny-na-vostoke

Die Veranstalter haben daraufhin die Veranstaltung abgesagt, mit der Begründung, dass sie die Sicherheit der Teilnehmer nicht gefährden wollen. Es kamen mehrere Drohungen von seiten Radikaler, u.a. den Ultras, und die Polizei hat ihnen mitgeteilt, dass sie die Sicherheit der Veranstaltung nicht gewährleisten kann
vesti.ua/kiev/59689-v-kieve-otkazalis-ot-provedenija-gej-marsha …
http://vesti.ua/kiev/59703-pravozawitniki-vozmuweny-otmenoj-marsha-ravenstva-v-kieve

Am Samstag gab es statt dessen eine flash-mob-Aktion von etwa 25 LGBT-Aktivisten. Keine Meldungen über irgendwelche Zwischenfälle
http://vesti.ua/kiev/59854-predstaviteli-seks-menshinstv-proveli-fleshmob-v-kieve

In der folgenden Nacht jedoch attackierten etwa 15 Radikale den LGBT-club „Pomada“ mit Leuchtfackeln und Böllern, verletzt wurde niemand, lediglich Fassade, Klimaanlage und Außenkameras wurden beschädigt.
http://vesti.ua/kiev/60034-v-kieve-radikaly-s-shashkami-napali-na-gej-klub

In der Nacht von Sonntag auf Montag kam es auf dem Maidan zu einer Massenschlägerei inklusive Schießerei. Nach offiziellen Angaben wurden vier Menschen verletzt, Augenzeugen sprechen von mindestens 17 Verletzten (zwei liegen schwer verwundet im Krankenhaus, verweigern jegliche Aussage)
http://vesti.ua/kiev/59875-v-socsetjah-soobwajut-o-massovoj-drake-s-perestrelkoj-na-majdane
http://timer.od.ua/news/strel_ba_v_kieve_na_maydane_govoryat_minimum_o_17_postradavshih_v_militsii_o_chetireh_579.html

Es gibt verschiedene Versionen: einige berichten, dass es ein Streit war zwischen der 3. Hundertschaft und den „Patrioten der Ukraine“ (jetzt Bataillon AZOV), wobei letztere mit MG’s bewaffnet waren und diese benutzten.
Vertreter von Azov hingegen sagen, dass die „Alko-oborona“ (Alko-verteidigung, abwertend angelehnt an „samo-oborona“ = Selbstverteidigung) sie provoziert und angegriffen hätte und sie sich verteidigen mussten
http://vesti.ua/kiev/60037-majdanovcy-ugrozhajut-klichko-i-streljajut-svoih
(in den letzten zwei Monaten kam es in der Umgebung des Maidan zu 48 Diebstählen, 17 Raubüberfällen, 5 Morden, 1 Vergewaltigung und 38 Körperverletzungen)

Auch das ist interessant: die Anzahl abgebrochener Bauprojekte (Wohnungen) hat sich im 2. Quartal 2014 verdreifacht, von 24 auf 68. Man rechnet damit, dass sich die Zahl im Laufe des Sommers auf 100 erhöht.
http://business.vesti.ua/59971-v-kieve-stremitelno-rastet-kolichestvo-nedostroev

[15. Juli 2014]
In Kiev gab es (woweit ich weiß zumindest) keine Bombenanschläge, aber immer wieder Bombendrohungen, die bekannteste dürfte die vom Tag der Präsidentenwahl sein, am 25.5. Gestern waren gleich acht Objekte betroffen: der Hauptbahnhof und die größten Einkaufszentren und Hypermarkets. Alles wurde evakuiert, alle verfügbaren Spezialisten für Sprengstoffe waren im Einsatz, alles Fehlalarm, keine Bekenner.
http://vesti.ua/kiev/61056-kiev-nakrylo-vzryvnoj-volnoj
– mit Karte, wo die jeweiligen Bombendrohungen zu welcher Zeit gemeldet wurden.

 

O D E S S A

[6. Juli 2014]
Am Morgen des 4. Juli gab es einen Bombenanschlag auf das Wehrbezirksamt von Odessa.
http://o1.ua/news/novye-detali-nochnogo-vzryva.html
– 5 Kilogramm Sprengstoff haben Türen und Fenster bersten lassen, das Gebäude als solches blieb unbeschädigt, ein Nachtwächter wurde verletzt. Dieser spricht davon, dass diese Anschläge wohl mit der Mobilisierung von Einheiten aus der Region für den Einsatz im Rahmen der ATO zusammenhängen.

Zuvor, am 30. Juni, wurde ein anderes Gebäude der Militärverwaltung mit mehreren Molotowcocktails beworfen und in Brand gesteckt.
http://o1.ua/news/pokushenie-voennogo-vremeni-v.html

[9. Juli 2014]
Unbekannte haben vergangene nacht einen Armee-Posten unweit von Odessa angegriffen, ein 24-jähriger Vertrags-Soldat wurde dabei schwer verwundet
http://timer.od.ua/news/neizvestnie_obstrelyali_blokpost_v_kosharah_odin_boets_ser_ezno_ranen_719.html
(mit video und karte, das ist weit weit weg vom donbass)

Odessiter Einheiten der Spezial-Bullen haben am Samstag eine Synagoge „beschützt“: sie bildeten einen Schlauch, durch welchen die Gläubigen in die Synagoge gelangen konnten. Diese waren verängstigt, sie sprachen anschließend davon, dass sie befürchteten, dass man sie rein ließe, aber nicht mehr heraus, zumindest nicht lebendig… Angeblich war das ganze Viertel voller Bullen.
http://timer.od.ua/news/voorujennie_pravoohraniteli_perepugali_odesskih_evreev_233.html
Die Polizei rechtfertigte die Maßnahme mit einem angekündigten Protest, zu dem angeblich etwa 1000 Leute hätten kommen sollen (nicht einer kam). Der „Verband höflicher Menschen“ hatte eine Protest-Aktion angekündigt, weil der Vorsitzende dieser Gemeinde Mitschuld trage für den Bürgerkrieg im Lande. Er sei Teil der Gruppe um Kolomoiskiy, welcher widerum der Hauptverantwortliche für den Bürgerkrieg sei.

Kolomoiski ist einer der einflussreichsten und, nach Ahmetov, wohl der zweitreichste Ukrainer, Gouverneur von Dnepro-Petrovsk (nach dem Sieg des Maidan eingesetzt), finanziert Azov und andere Einheiten, und hat Kopfgeld auf Separatisten ausgesetzt. In Russland läuft ein Verfahren gegen ihn http://de.ria.ru/society/20140702/268903864.html
Vielen gilt er übrigens als der Mann hinter dem Massaker vom 2.Mai, einmal weil angeblich Leute aus seinen Einheiten „Sturm“ und „Dnepr-1“ beteiligt waren, und zum anderen, weil im Anschluss der Gouverneur von Odessa ausgetauscht wurde. Der neue Gouverneur, Igor Palitsa, gilt als Mann Kolomoiskis.

(„Höfliche Menschen“ ist übrigens eine Anspielung auf die russischen Soldaten auf der Krim, die als „höfliche Menschen“ berühmt geworden sind

Dieser angekündigte Protest wäre also eine Aktion von pro-russischen Aktivisten in Odessa gewesen)

Dieser Gouverneur von Odessa, Igor Palitsa, er widerum kritisiert oft die Zentralregierung in Kiev. Sehr oft, und ziemlich direkt. Gestern sprach er davon, dass Kiev bis September Zeit habe, die Beziehungen zu Odessa zu verbessern. Was andernfalls drohe, sagte er jedoch nicht.
http://timer.od.ua/news/palitsa_ofitsial_nomu_kievu_vremeni_dlya_ispravleniya_oshibok_do_sentyabrya_potom_budet_pozdno_166.html
– viele denken, dass seine Kritik nur Scheinkritik sei und er gezielt versuche, den verbreiteten Unmut in Odessa gegenüber Kiev zu kanalisieren, und so im Sinne der Zentralgewalt zu integrieren.

In Odessa sind neue Aufkleber aufgetaucht, auf welchen die Gesichter von angeblich am Massaker vom 2.Mai beteiligten Tätern zu sehen sind
http://timer.od.ua/news/odessa_aktivisti_nazvali_vinovnih_v_tragedii_2_maya_254.html
(Das ist übrigens krass. Ich hab schon mehrmals so etwas gelesen, Details über rechte Aktivisten in Odessa: Realnamen samt Adressen und links zu deren vkontakte bzw facebook-Profilen. Eine der Teenagerinnen, die auf Videos zu sehen sind, wie sie Molotow-Cocktails zubereiten, wurde mitte Mai aus einem Fenster gestoßen, mehrere angeblich Beteiligte haben Selbstmord begangen, bzw es sieht danach aus. Bestimmt ein dutzend Mal hab ich solche Nachrichten gelesen…)

In der Nikolaever oblast hat ein Wehrpflichtiger aus Odessa desertiert und schwer bewaffnet das Gelände verlassen, wo er stationiert war. Nach ihm wird jetzt gefahndet
http://timer.od.ua/news/v_nikolaevskoy_oblasti_lovyat_voorujennogo_dezertira_iz_odessi_799.html

[15. Juli 2014]
In der Nacht zu Sonntag sind zeitgleich Bombenanschläge auf zwei Filialen der Privat-Bank (Kolomoiski) verübt worden, bekannt hat sich soweit ich weiß bisher niemand.
http://timer.od.ua/news/v_otdelenii_privatbanka_na_slobodke_progremel_moschniy_vzriv_623.html
http://timer.od.ua/news/nochnoy_vzriv_v_odesse_bil_dvoynim_915.html

Am 8. Juli wurde der odessiter „Timer“ darauf aufmerksam gemacht, dass ein Restaurant am Kiever Maidan auf seiner riesigen, eher als Werbegag gedachten Menü-Karte „gebackene Kartoffelkäfer nach odessiter Art“ anbietet. Die Aufforderung, das zu entfernen, zog sich über mehrere Tage, bis vorgestern: der Rat der Hundertschaften mischte sich am Ende ein und sorgte dafür, dass „nach odessiter Art“ übersprüht wurde.
http://timer.od.ua/news/na_maydane_v_kieve_zakrasili_nadpis_oskorbivshuyu_odessitov_519.html

Zwei odessiter Bürger, die in den Osten gefahren sind, um an der Seite der Rebellen zu kämpfen, sind in den Gefechten umgekommen
http://timer.od.ua/news/dvoe_odessitov_pogibli_v_boyah_na_donbasse_822.html

Eine 24-jährige odessiter Aktivistin des Antimaidan, am 25.6. vom Geheimdienst SBU als des Terrorismus verdächtig festgenommen, hat in der Untersuchungshaft ihr ungeborenes Kind verloren
http://timer.od.ua/news/beremennaya_aktivistka_kulikova_polya_poteryala_rebenka_v_sizo_607.html

 

D N E P R O – P E T R O V S K

[29. Juni 2014]
Eine sechs-köpfige Gruppe wurde festgenommen, die Terrorakte geplant habe und eine „Volksrepublik Dnepro-Petrovsk“ gründen wolle. Es wurden Waffen, Munition, Sprengstoff, Pläne und Skizzen von möglichen Terrorzielen, und separatistische Literatur sichergestellt. (Auch hier sind die Kommentare interessant)
http://www.056.ua/news/563292

Vorgestern wurde in Dnepro-Petrovsk ein Lenin-Denkmal abmontiert
http://www.056.ua/news/565070 (mit vielen Fotos…)
– an den Kommentaren fällt auf, dass viele Leute dagegen sind (die grün bewerteten Kommentare). Abgesehen von gegen den ukrainischen Nationalismus gerichteten Kommentaren gibt es auch positive Bekundungen zu Lenin und Sozialismus, aber auch Bemerkungen, dass doch Lenin der eigentliche Gründer der Ukraine war (ich denke ihr wisst das, oder?) und man ihm zumindest in der Hinsicht Respekt zollen müsse.

Allgemein möchte ich betonen, dass Sympathien mit sozialistischen Ideen ein kennzeichnendes Element des Anti-Maidan sind. Nicht unbedingt im fortschrittlichen Sinne, da ist natürlich viel Sowjetnostalgie im Spiel, aber trotzdem sehe ich da zumindest theoretisch eine Grundlage, dass man als fortschrittlicher Anhänger einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel mit diesen Leuten eigentlich leicht ins Gespräch kommen könnte. Mich wundert’s, dass dies nicht passiert, sondern viele der eher „fortschrittlichen“ Linken ihre Hoffnungen auf die Euro-Integration setzen…

Übrigens, anstelle des Lenin-Denkmals soll dort jetzt ein „Denkmal für die Kämpfer der 25. Fallschirmjäger-Brigade“ entstehen (in DP stationiert und im einsatz bei der ATO)
http://www.056.ua/article/565475

Und hier außerdem noch eine dieser patriotischen Meldungen: der größte Dreizack der Welt steht seit kurzem in Dnepro-Petrovsk!
http://www.056.ua/news/565472 (viele fotos)
Nachts leuchtet der, und wechselt zu „Slava Ukraine“, „Ukraina“ und „Ukraina ponad use“ (alles auf Ukrainisch geschrieben, und nicht auf Russisch, wie dieses Banner letztens)
– auch hier könnt ihr euch denken, welche Kommentare rot und welche grün bewertet wurden.

[14. Juli 2014]
in Dnepro-Petrovsk gab es wieder eine spontane und selbstorganisierte patriotische Aktion der Jugend (Fotos)
http://www.056.ua/news/575279
„Wie wir schon zuvor berichtet haben, ist der Patriotismus in Dnepro-Petrovsk mit üppiger Blüte aufgeblüht. Die Bürger verschönern mit nationaler Symbolik ihre eigenen Wohnungen, Häuser, öffentliche Plätze.“
– gefühlt alle zwei bis drei Tage gibt es auf dem lokalen Portal 056.ua solche Nachrichten…

Gestern gab es eine Attacke auf eine ukrainische Journalistin, die sich mit „pro-russisch“ gestimmten Bürgern in DP unterhalten hat. Die ist aus Zaporozhie, muttersprachlich mit Russisch groß geworden, spricht aber bewusst nur Ukrainisch – und sie und ihr Team wurden mit Mehl und grüner Farbe attackiert, weil sie mit den „Separatisten“ geredet haben, man unterstellte ihnen, für die „Separatisten“ Propaganda machen zu wollen…
http://www.056.ua/news/575304

 

K H A R K O V

[15. Juli 2014]
Schon etwas her, aber immer noch unter den Top-Nachrichten: Am 22.6. berichtete 057.ua über eine Flashmob-Aktion – etwa ein dutzend junge Aktivisten fallen in belebten Supermärkten um und bleiben fünf Minuten reglos liegen, umringt von ihren KollegInnen, die Plakate hochhalten. Es ist ein Protest gegen den Krieg in der Ukraine, auf den Plakaten ist Putler zu sehen und die Aufforderung, keine russischen Waren zu kaufen, weil man so den Krieg gegen die Ukraine mitfinanziere. Russische Waren haben anscheinend den code 46.
http://www.057.ua/news/560525

Gestern wurde das Denkmal für die einige und unabhängige Ukraine mit blutroter Farbe begossen
http://www.057.ua/news/575165
Ob in Reaktion darauf, ist nicht bekannt, auf jeden Fall wurde letzte Nacht einer Leninstatue der linke Arm und die rechte Hand abgeschlagen
http://www.057.ua/news/576197

Beim kharkover 057.ua ist auffällig, dass bei Artikeln mit „nationalen Themen“ Positionen des Euromaidan in den Kommentaren massiv überwiegen, „Slava Ukraine“ und dergleichen, während es allgemein ein leichtes Übergewicht von kritischen Stimmen gibt. So auch bei der ersten Nachricht, man hält die Aktivisten mehrheitlich für Idioten…

Der Inlandgeheimdienst SBU hat übrigens ein Waffenversteck bei Kharkov ausgehoben
http://112.ua/photo/sbu-obnaruzhila-v-harkovskoy-oblasti-taynik-s-oruzhiem-v-tom-chisle-dvumya-pzrk-87775.html

 

KAMPFGESCHEHEN

[15. Juli 2014]
Bilder aus Lugansk, von einem fünfstöckigen Wohnhaus, dass von einem „nicht identifizierten“ Flieger beschossen wurde. Man verdächtigt die Russische Föderation für diese Attacke, um es den ukrainischen Streitkräften in die Schuhe schieben zu können…
http://photo.vesti.ua/donbass/2265-zhiloj-dom-v-snezhnom-rassypalsja-v-wepki

Die Hysterie wegen eines befürchteten (erhofften?) offenen Einmarsches russischer Streitkräft ist extrem. Die Stimmung dahingehend kann ich gar nicht wiedergeben, jeden Tag werden neue Beweise angekündigt über die Involviertheit der Russen, die immer intensiver in Provokationen verstrickt seien – ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das noch jemand glauben kann…

und während heute die offizielle Zahl von 258 gefallenen Soldaten verkündet wurde (Armeeangehörige, zu den Freiwilligenverbänden gibt es keine Angaben)
http://112.ua/glavnye-novosti/za-vremya-ato-pogibli-258-voennosluzhaschih-snbo-88360.html
wird auch Oleg Tsarjov zitiert, der offizielle Kopf der Bewegung Süd-Ost, jetzt Novorossiya, und er spricht von 3,5 bis 5 Tausend gefallenen Soldaten
http://112.ua/obshchestvo/carev-zayavlyaet-chto-za-vremya-ato-na-vostoke-ukrainy-pogiblo-okolo-4-tys-silovikov-88361.html
– und diese divergierenden Angaben werden natürlich diskutiert. Das Verhältnis Verteidiger zu Angreifer läge generell zwischen 1:3 und 1:5, kommt es aber zum Häuserkampf, steigt das auf mindestens 1:10, usw…

112.ua hat auch ein angebliches Telefongespräch mit einem Soldaten an der Front veröffentlicht, er schildert die Lage als katastrophal: von 800 Kameraden seiner Einheit seien 400 noch dabei, den vierten Tag in Folge befänden sie sich schon im Rückzug, die Technik habe massive Verluste erlitten. In seinem Trupp von eigentlich 90 Mann und zehn gepanzerten Fahrzeugen sind noch 35 Mann und ein Fahrzeug im Einsatz. Vielleicht hilft google-translator:
http://112.ua/mnenie/zvonok-iz-zony-ato-my-otstupaem-chetvertyy-den-88402.html
– der Soldat ist in dem südlichen Streifen im Einsatz, zwischen Rebellen-Gebiet und Russland, wo versucht wird einen Ring um die Rebellen zu formen.

Die von Poroshenko angekündigte taktische Neuorientierung verstehe ich als Eingeständnis, dass dieser Ring nicht zu schaffen sei, zu verlustreich. Denn real sieht es so aus, dass Tausende ukrainischer Soldaten eingekesselt sind, und nicht die Rebellen…
Der Soldat am Telefon fordert daher, dass sie abgezogen werden, nicht um die ATO aufzugeben, sondern um nicht sinnlos als Kanonenfutter zu enden.

Es gibt auch einen Bericht über das Misstrauen der Armee-Angehörigen gegenüber den diversen Freiwilligenbataillonen, sehr lesenswert
http://112.ua/analityka/posle-zaversheniya-ato-armii-pridetsya-voevat-s-dobrovolcheskimi-batalonami-soldaty-vsu-86749.html
-allein der Titel sagt viel: „Nach der ATO wird die Armee gegen die Freiwilligen-Bataillone kämpfen müssen“

 

OLIGARCHEN

[11. Juli 2014]
Es gibt aktuell immer mehr negative Nachrichten über Kolomoiskiy und seine derzeitige Rolle in der Ukraine, seit drei, vier Tagen ist es richtig massiv. Man scheint ihn zu isolieren, und alle erwarten in kürze einen offen ausgetragenen Konflikt zwischen ihm und dem Präsidenten Poroshenko.

Gestern sagte der Oligarch und infolge des Maidan eingesetzte Gouverneur der oblast Donezk, Sergei Taruta, dass militärische Formationen aus anderen oblasten sich zurückziehen sollen, man werde alleine mit den Separatisten fertig.
http://thekievtimes.ua/society/387722-taruta-ne-nuzhdaetsya-v-kolomojskom.html
Das ging e x p l i z i t gegen Kolomoiski’s Batallion Dnepr. Taruta sagte, man habe „eigene Kräfte“, wie z.B. das Batallion Azov, das in Mariupol stationiert sei.

Es heißt zwar seit Auftauchen dieser Truppe anfang Mai, Azov sei von Kolomoiski finanziert – aber seit kurzem bestreiten die das öffentlich, und machen sich sogar darüber lustig („Nur ein psychisch Kranker kann sich so etwas ausdenken“)
http://gazeta.ua/ru/articles/life/_batalon-azov-oproverg-sotrudnichestvo-s-kolomojskim/564309
Auch Oleg Lyashko, Kopf der Radikalen Partei, streitet jegliche Involviertheit Kolomoiskis ab. Er persönlich habe die Schaffung dieser Spezialeinheit initiiert, welche jetzt in Mariupol „für Ordnung sorgt“, und direkt dem Innenministerium unterstehe.
http://112.ua/politika/lyashko-oprovergaet-informaciyu-o-prichastnosti-batalona-azov-k-napadeniyu-na-posolstvo-rf-75479.html
Azov sind jedenfalls krasse Faschisten, durchsetzt mit Faschos aus anderen Ländern (schweden, russland, italien), bekennende Nazis und Rassisten
http://en.wikipedia.org/wiki/Azov_Battalion

Das klar Kolomoiski zuzuordnende Batallion Dnepr ist derzeit ebenfalls in Mariupol stationiert und hat schon angekündigt, dass es nicht beabsichtigt, sich aus der ATO zurückzuziehen, Taruta habe ihnen gar nichts zu sagen.
http:// novosti.dn.ua/ details/ 229557/ …

Kolomoiskiy wird anscheinend immer mehr zum „Vorzeige-Oligarchen“, zur absoluten Projektionsfläche und Zielscheibe…

So hat der TV-kanal „Inter“ vor drei Tagen eine anscheinend viel beachtete Reportage über „das Chamäleon Kolomoiski“ gebracht, mit verschiedensten Anschuldigungen, unter anderem, dass er sich Teile des Öl-Business widerrechtlich aneigne, sich neben Dnepro-Petrovsk nun auch die Oblast Odessa gesichert habe, und weiterhin Kontakte pflege zur Familie Janukowitsch – seine offen „patriotisch“-ukrainische Haltung sei lediglich PR…
http://timer.od.ua/news/inter_obvinil_kolomoyskogo_v_zahvate_odesskoy_oblasti_i_drujbe_s_kurchenko_685.html

Timer hat erst vor einer Woche einen längeren Artikel mit dem Titel „Das Fürstentum Dnepro-Petrovsk“ veröffentlicht, das in eine ähnliche Richtung geht, aber sich nicht auf Kolomoiski beschränkt. Zwar habe er im Zuge der „Re-Feudalisierung“ der Ukraine das strategisch am günstigsten liegende Dnepro-Petrovsk abgekriegt und sitzt von allen derzeit am stabilsten im Sattel, aber der Artikel macht deutlich, dass alle Oligarchen (inklusive des „Präsidenten“ Poroshenko) an dieser Re-Feudalisierung beteiligt sind – wobei Ahmetov als der derzeitige looser darsteht: er hat anfangs die Separatisten finanziell unterstützt, aber die Situation ist ihm offensichtlich aus den Händen geglitten.
http://timer.od.ua/minds/dnepropetrovskoe_knyajestvo_447.html

Ahmetov fordert übrigens immer wieder laut (und soweit ich beurteilen kann als einziger Oligarch) das Einstellen der Kampfhandlungen.

An anderer Stelle beschuldigte man vorgestern Kolomoiski, eine große Privat-Armee aufzubauen, und dass er gezielt versuche, den Besitz der donezker Oligarchen an sich zu reißen
http://vesti.ua/pridneprove/60214-kolomojskij-pristupil-k-formirovaniju-sobstvennoj-armii
Da geht’s unter anderem um den Vorschlag Kolomoiski’s, aus den Betrieben von Oligarchen, welche die Separatisten unterstützen (das ging klar gegen Ahmetov’s Imperium), Aktien-Gesellschaften zu machen, wo die Kämpfer der ATO und Angehörige Gefallener an erster Stelle beteiligt werden sollen – was man anscheinend lediglich für eine List hält, sich diese Betriebe anzueignen…
In dem Artikel ist übrigens auch von Re-Feudalisierung die Rede, aber dass Präsident Poroshenko sich dieser Gefahr, die durch Kolomoiski ausgehe, durchaus bewusst sei und bald dagegen vorgehen werde…

Es findet gerade ein regelrechter „Informationskrieg“ statt. Das dnepro-petrovsker Portal 056.ua hat z.B. gestern einen in den sozialen Netzwerken ausgetragenen und anscheinend viel beachteten Streit dokumentiert.
http://www.056.ua/article/573343
Infolge der Ankündigung, die Besitztümer der donezker Oligarchen zu zerschlagen und ATO-Veteranen zu überlassen, meldete sich der Journalist der „ukrainskaya pravda“ Sergei Leshenko zu wort, und beschuldigte Kolomoiski, an seiner eigenen Version einer „Föderalisierung“ der Ukraine zu arbeiten, und dass sich herausstellen werde, dass nicht die Armee Strelkov’s, sondern Kolomoiskis Batallion Dnepr, die „Hisbolla der Ukraine“ sei… Der Vize-Gouverneur von Dnepro-Petrovsk, Boris Filatov, lieferte sich daraufhin mit ihm einen Schlagabtausch und betonte die patriotischen Leistungen Kolomoiski’s.

[15. Juli 2014]
Zwischen Kolomoiski und Poroshenko ist es anscheinend ruhiger geworden, zumindest hört man nichts mehr über den erwarteten Konflikt. Statt dessen spitzt sich die Situation zwischen Achmetov und Kolomoiski zu.
http://www.056.ua/article/575933 (Achmetov: „Bataillon Dnepr ist eine illegale militärische Formation“)
http://www.056.ua/article/575963 (Fernseh-Auftritt von Kolomoiski [im eigenen Sender]: „Wer ist schuld am Separatismus“)

Kolomoiski hat dazu aufgerufen, das „illegal erworbene Eigentum“ der donezker Oligarchen Achmetov und Firtash zu verstaatlichen (die wurden zuvor, bei der Idee zur Umwandlung von Betrieben in Veteranen-AG’s, nicht namentlich genannt. Jeder wusste zwar, dass sie gemeint sind, aber erst jetzt fallen Namen).
http://gazeta.ua/ru/articles/life/_kolomojskij-predlagaet-zhestko-raskulachit-ahmetova-i-firtasha/569656

 

PS: (um kurz und grundsätzlich meine Meinung einzubringen)

[7. Juli 2014]
Gestern gab es wieder eine patriotische Aktion in Dnepro-Petrovsk (solche Nachrichten gibt es öfter, zwei sind weiter oben zu finden):
http://www.056.ua/news/570217
Das Geländer einer Brücke wurde von Jugendlichen in den Nationalfarben gelb und blau gestrichen. In Eigeninitiative wohlgemerkt: sie hatten die Idee, ihren Wohnbezirk zu verschönern, haben die Farbe von ihrem eigenen Geld gekauft, und sich an die Arbeit gemacht.

Und du fragst nach sozialen Kämpfen? Wen interessieren die? „Ukraina – ponad use!“ (Ukraina – über alles!) und „Slava Natsii! – Smert Voroham!“ (Ruhm der Nation! – Tod den Feinden!)
Diese Parolen sind als Folge des Euromaidan in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der Präsident schließt jede seiner Reden mit „Slava Ukraine!“
Und ich gehe keinen Schritt zurück von der Feststellung, dass in der Ukraine gerade eine Faschisierung und Militarisierung der Gesellschaft vor sich geht, die viele aufgrund unbestimmter Hoffnungen in irgendwelche „humanitären Werte der EU“ nicht wahrhaben wollen.

Das ist umkämpft und die Faschos sind noch in der Minderheit, ja, aber sie sind die lauteste und aktivste Minderheit, haben die Jugend auf ihrer Seite, Teile des Staates in ihrer Hand (inklusive mehrerer Milizen mit je Hunderten oder gar Tausenden gut ausgerüsteter und mittlerweile erfahrener Kämpfer!), und ihre ehemals marginalen Parolen in der Mitte der Gesellschaft verankert. Und sie nutzen diese Position.

 

PPS: NOVOROSSIYA

Der Begriff wird immer populärer, und das hat nun mal mit dem jetzigen unitären ukrainischen Nationalismus zu tun und der zugrunde liegenden Definition dessen, was als „ukrainisch“ zu gelten hat, und welche Sicht auf die Geschichte damit transportiert wird. Es ist eine Reaktion darauf.
– wenn z.B. Stepan Bandera zum allukrainischen Helden gekürt wird, so verprellt das einfach mal eine menge Leute, und diese suchen sich andere historische Referenzen.

Und der Südosten war bis zur Gründung der sowjetischen Ukraine nun mal bekannt als Novorossiya. Bis 1873 als offizielle, administrative de jure-Bezeichnung, und danach als de fakto-Bezeichnung (welche die neuen, regionaler definierten administrativen Einheiten umfasste), bis in sowjetische Zeiten hinein, wo dieser Begriff im Rahmen der „Korenizaciya“-Politik (die Schwächung russischer und stärkung regionaler Elemente bis 1931 http://de.wikipedia.org/wiki/Korenisazija ) gezielt bekämpft wurde.

Eine erste Renaissance des Begriffs gab es in der Zeit der Regierung Jushenkos, welcher, wie schon erwähnt, Stepan Bandera offiziell zum „Helden der Ukraine“ gekürt hatte (das war eins seiner Hauptanliegen: das ukrainische Nationsverständnis zu vereinheitlichen. Da gab es einige Projekte).

Das sind keine ausdrücklich „linken“ Debatten, natürlich nicht. Diese Debatten sind eingebunden in die Forderungen einer Föderalisierung der Ukraine, da gibt es verschiedene Konzepte, getragen von verschiedenen Akteuren, und die Idee als solche ist nunmal ziemlich populär im Südosten, über die politischen Lager hinweg (abgesehen von den Kämpfern für eine „einige Ukraine“, also der Euromaidan).

Und der Begriff Novorossiya scheint sich gerade zu einem „Sammelbecken“ der verschiedenen föderalistischen Forderungen zu entwickeln und wird mittlerweile verstanden als Gegenkonzept zum unitären ukrainischen Nationsverständnis. Man spricht von einem „multinationalen Novorossiya anstelle einer nationalistischen Ukraine“.

Hier ein Artikel, der sich mit der Geschichte und den Inhalten des Begriffs beschäftigt:
http://timer.od.ua/minds/novorossiya_upuschennie_shansi_ukraini_535.html
(„Novorossiya – die verpassten Chancen der Ukraine“)

Leuten, die sich dafür engagieren, drohen übrigens mehrere Jahre Knast. Am 27. Juni wurde ein Mann in der Oblast Suma (Zentral-Ukraine) festgenommen, weil er Propaganda-Material (Ausgaben der Zeitung „Novorossiya“) aus Odessa zugesandt bekam, ihn erwarten deswegen drei Jahre Haft
http://timer.od.ua/news/v_odesse_vedut_novorossiyskuyu_agitatsiyu_995.html
– ganz oben habt ihr ein Foto dieser Zeitung, die anscheinend in Odessa produziert wird. Man sucht jetzt nach dem Absender.

In Dnepro-Petrovsk wurde vor ein paar Tagen ein 33-jähriger wegen „separatistischer posts“ im Internet festgenommen, ihm drohen jetzt drei bis fünf Jahre Haft.
http://www.056.ua/news/569264

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17. Juli 2014: Spekulationen, Proletarische Revolution, Lokales

Riesenthema ist natürlich die abgestürzte Boeing 777 der Malaysia Airlines. Aber in den ukrainischen Medien steht nichts anderes drin als was ihr nicht auch hier z.B. nachlesen könntet
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/malaysia-airlines-moeglicher-abschuss-flugzeug-mit-295-menschen-in-der-ukraine-abgestuerzt/10216544.html

Wobei die ukrainischen Medien natürlich hauptsächlich die Version wiedergeben, dass die Separatisten das Flugzeug mit dem BUK-System abgeschossen hätten
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3393867-passazhyrskyi-samolet-v-donetskoi-oblasty-sbyly-yz-kompleksa-buk-mvd
– neben dem zu erwartenden „Die Amis warn’s“ (oder auch Russland/Ukraine) gibt es ein paar Kommentatoren (angeblich ex-Soldaten, die BUK kennen), die detailreich versuchen zu wiederlegen, dass es die Rebellen waren. Sie meinen, das wäre technisch äußerst unwahrscheinlich bis unmöglich, diese Teile bediene man nicht wie eine PZRK, das sei hochkomplex, man bräuchte eine besondere Infrastruktur wie Radar und andere Sachen… keine Ahnung…

Die Rebellen haben übrigens ende Juni angeblich ein BUK-System erbeutet (mit Foto)
http://voiceofrussia.com/news/2014_06_29/Donetsk-militia-takes-control-of-Ukrainian-anti-air-installation-1561/

Es ist die selbe Airline und auch der selbe Flugzeugtyp, Boeing 777-200ER, wie auch die berühmte, am 8. März mysteriös verschwundene Maschine. Das nährt natürlich Verschwörungstheorien. Noch dazu, weil der Erstflug der heutigen Maschine am 17.7.1997 war und die Maschine am heutigen 17.7.2014 sozusagen ihren 17. Geburtstag hatte… Krass, oder?
http://www.airfleets.net/ficheapp/plane-b777-28411.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Malaysia-Airlines-Flug_17
Die Rebellen haben angekündigt, die Black Boxes nach Russland zu entsenden.
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3393907-dnr-peredast-chernye-yaschyky-razbyvshehosia-boynha-v-moskvu

 

Die Armeen der ATO sollen neu positioniert werden
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3393894-henshtab-planyruet-peredyslokatsyui-voisk-ato
Grund dafür ist „der nachweisliche Beschuss von russischer Seite“, es gebe Videos und Satelliten-Fotos. Der Versuch, die Rebellen einzukreisen hat deshalb zum Ergebnis gehabt, dass nicht die Rebellen sondern die Soldaten der ATO eingekreist waren. Es seien auch Soldaten in russischer Uniform in der Region von Izvarino (Lugansk) gesehen worden
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3393814-snbo-v-raione-yzvaryno-poiavylys-voennye-v-rossyiskoi-forme
Der SNBO (Verteidigungs- und Sicherheitsrat) spricht von 5 toten Soldaten bei Izvarino, während die dortige Quelle von korrespondent.net zuvor schon von über 200 Gefallenen berichtet hat
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3393630-pod-yzvaryno-pohyblo-bolee-200-voennykh-ystochnyk

Was die „Beweise“ betrifft, für Beschuss von russischer Seite, so ist mir nichts „offizielles“ dazu über den Weg gekommen, lediglich dieses Video in Kommentaren

und der dazugehörige google-street-view-link
https://www.google.com.ua/maps/@48.074976,39.927881,3a,75y,291.5h,91.31t/data=!3m4!1e1!3m2!1sfXFLTeywV0NLPLSFprV7tw!2e0
– wenn man jedoch zwischen Blickrichtung und Karte hin und her wechselt (und dabei ein wenig heraus-zoomt), scheint es eher so zu sein, dass dieser Grad-Abschuss durchaus von ukrainischem Territorium stattfindet. Die Grenze ist etwa 2,5 km entfernt, auf der anderen Seite liegt Chervonopartizansk – und nördlich davon Provalie, von wo aus „die Terroristen ukrainische Truppen bei Chernopartizansk mit Grad beschießen“
http://www.obzor.lg.ua/news/obstrel36927
– Provalie ist keine zehn km vom Kameramann des youtube-videos entfernt…

Diese nun schon seit Monaten geäußerten Vorwürfe, dass Russland die Rebellen mit Waffen und Material unterstütze, dass Russland gar direkt und aktiv ins Kampfgeschehen eingreife, wird natürlich von russischer Seite dementiert. Einen Bericht aus der Nezavisimaya Gazeta gibt die deutsche RIA wieder:
http://de.ria.ru/zeitungen/20140716/269021827.html
„Die Amerikaner [überwachen] fast ununterbrochen das Grenzgebiet zwischen Russland und der Ukraine. Mit den Satelliten könnten sie genau bestimmen, welche Rüstungen vor Ort seien. Es sei auch kein Problem, den genauen Ort und Zeitpunkt eines Grenzübertritts zu bestimmen. Doch bislang sei kein einziger Beweis vorgelegt worden.“

Frontbericht vom 17.7.2014
http://korrespondent.net/ukraine/events/3393823-frontovye-svodky-s-yuho-vostoka-za-17-yuilia

 

PROLETARISCHE REVOLUTION

Am 17. Juni sagte Viktoria Syumar (stellvertretende Sekräterin des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine [SNBO] vom 28.2.2014 bis 6.6.2014) in einem Interview mit der Zeitschrift Glavkom, dass man auf dem Maidan glücklicherweise eine proletarische Revolution habe abwenden können. Im Donbass hingegen sei es zu so einer proletarischen Revolution gekommen.
http://glavcom.ua/articles/20196.html

„Und abgesehen vom hybriden Krieg Russlands und des kriminellen Aufstands, geschieht dort, zu einem gewissen Grad, auch eine proletarische Revolution. Die Leute wollen Arbeit, sie wollen nicht mehr für ein paar Kopeken in den Gruben schuften. Sie verstehen, dass die Millionäre und Milliardäre zu ihrer Zeit mit MG’s gekommen sind, und denken sich, warum sollen wir ihnen diesen Weg zum Geld nicht nachmachen.
[…]
Genau, einen solchen proletarischen Aufstand konnten wir, zum Glück, verhindern auf dem Maidan, wo es zu einer bürgerlichen national-befreierischen Revolution kam. Aber im Donbass kam es zu einer proletarischen Revolution, welche, grundsätzlich, wesentlich blutiger und zerstörerischer in ihren Folgen sind.“

 

K I E V

Gestern kam es zu einer Protest-Kundgebung von Müttern der Soldaten, die in der ATO im Einsatz sind. Ein Fernsehteam von „112 Ukraina“ schaltete kurz live zu dieser Kundgebung und fing unter anderem diese aussagekräftige Meinung von einer der Mütter ein
http://112.ua/obshchestvo/v-kieve-zheny-i-materi-voennosluzhaschih-piketirovali-zdanie-ap-s-trebovaniem-rotacii-88558.html
„Wem gehören die Minen, der Boden, die Flüsse, alles ist privatisiert. Und wir sollen die Köpfe senken? Warum? Sie haben Milliarden gestohlen, dann sollen sie auch ihre Milliarden einsetzen, ihre Leute bezahlen, und dann sollen sie eben kämpfen. Oder sollen sie doch ihre Söhne nehmen um dort zu kämpfen, diese Parasiten!“

Hier eine Auflistung aller Bombendrohungen in der letzten Woche. Alleine in den letzten drei Tagen sind 14 Objekte betroffen gewesen, neben den schon erwähnten, sehr belebten Einkaufszentren und Hauptbahnhof auch die Generalstaatsanwaltschaft und das Redaktionsgebäude des TV-Senders „Inter“
http://korrespondent.net/kyiv/3393330-mynyrovanye-kyeva-telefonnye-terrorysty-atakuuit-stolytsu

 

O D E S S A

An der Mündung der Donau wurde am 14.7. eine nicht identifizierte Drohne ausgemacht, die in Richtung Odessa geflogen ist
http://timer.od.ua/news/neizvestniy_bespilotnik_pokrujil_nad_dunaem_i_poletel_v_storonu_odessi_185.html
http://dumskaya.net/news/izmailskie-pogranichniki-zametili-v-nebe-nad-dun-037509/
http://trassae95.com/all/news/2014/07/17/neizvestnyj-bespilotnik-razvedchik-uzhe-neskoljko-dnej-kruzhit-nad-odesskoj-oblastjyu-15817.html
http://od.vgorode.ua/news/230121-neyzvestnyi-bespylotnyk-razvedchyk-neskolko-dnei-letaet-nad-odesskoi-oblastui
Hier auch die Nachricht dazu aus Izmail (die südlichste Stadt der odessiter Oblast, an der Grenze zu Rumänien, nicht weit von der Donau-Mündung)
http://www.izmacity.com/novosti/skandal/8191-bespilotnik-nad-dunaem-kto-za-nami-sledit

„Die Vertreter der ‚fünften Kolonne‘ fühlen sich wohl in Odessa“ sagt Zoya Kazanzhi, die Beraterin des Gouverneurs der odessiter Oblast. Es gebe kaum „patriotischen Medien“ und in den Kirchen des Moskauer Patriarchats würde agitatorische Arbeit gemacht. Deswegen haben sie ein „Krisenzentrum für Medien in Odessa“ initiiert, um „unabhängige Medien“ zu schaffen.
http://trassae95.com/all/news/2014/07/17/predstaviteli-pyatoj-kolonny-v-odesse-chuvstvuyut-sebya-komfortno-kazanzhi-15822.html

 

K H A R K O V

Der Innengeheimdienst SBU hat vorgestern 3.000 Exemplare der Zeitung „Novorossiya“ bei einem 45-jährigem Kharkover beschlagnahmt, ihn erwartet jetzt ein Verfahren wegen „Eingriffs in die territoriale Integrität und die Unverletzlichkeit der Ukraine“.
http://www.057.ua/news/577055

Kharkover Bürger werden ab dem ersten August 15 Griven mehr für Kaltwasser zahlen und 20 Griven mehr für’s Abwasser (Kanalisation). Der Wasserzufluss kostet dann 41,89 Gvn, und der Wasserabfluss 33,7 Gvn.
http://www.057.ua/news/578056
– „Sollen sie die Rechnungen an die schicken, die dafür auf dem Maidan waren!!! Penner!“ (best bewerteter Kommentar – bbK); es folgen: „Slava Maidanu! Poroshenko Slava!“ und „Die Kharkover wissen noch nicht, wie sich Warmwasser verteuert, und ob es überhaupt welches geben wird“

Die aus der Zone der ATO Fliehenden heißen übrigens „Umgezogene“. 24.000 Neuzugezogene wurden in der kharkover oblast registriert
http://www.057.ua/news/577960

Das Kharkover Operntheater erwartet am 28.11.2014 den Gastauftritt von Ivan Ohlobystin. Die lokale Sektion der Partei „Svoboda“ fordert, diesen Auftritt nicht zuzulassen, Ohlobystin sei bekannt für seine anti-ukrainische Haltung. Die Svoboda ruft alle Theaterhäuser und allgemein Kulturproduzenten dazu auf, wachsam und aufmerksam zu sein, um Ukrainophobie und russische Propaganda in ukrainischen Kultureinrichtungen nicht zuzulassen. Sollten diese Aufforderungen nicht befolgt werden, behält sich die Svoboda das Recht auf Direkte Aktion vor.
http://www.057.ua/news/577253

Gestern gab es auf dem zentralen Platz eine Kundgebung der KPU, wo auch Flaggen von Novorossiya zu sehen waren. Die Anhänger der Euro-Integration mobilisierten über soziale Netzwerke zu einer Gegenkundgebung. Als die erstgenannte Kundgebung sich schon aufgelöst hatte, kam auch der Rechte Sektor hinzu. Über Inhalte wird nichts berichtet, Polizei war vor Ort und trennte die Gruppen.
http://www.057.ua/news/577447
http://www.057.ua/news/577503
– hier sind die Kommentare eindeutig pro Euromaidan, bzw. man fürchtet, dass mit diesen Demos die Stimmung aufgeheizt wird und man hat einfach keine Lust auf „donbasser Verhältnisse“

 

D N E P R O – P E T R O V S K

Patriotische Straßenbahnen seit kurzem in der Stadt, eine seit Juni, die andere seit vorgestern auf den Straßen unterwegs
http://www.056.ua/news/576248
http://www.056.ua/article/578135
– „viele Bürger der Stadt freuen sich und die Fahrer dieser Bahnen sind stolz auf ihren Arbeitsplatz“ – in den Kommentaren is eher wenig los und geht so in die Richtung „TOLL! Und bald kriegen wir noch blau-gelbe Dixie-Klos, damit wir uns so richtig patriotisch ausscheißen können“

Der 33-jährige Internetseparatist, am 4. Juni verhaftet wegen separatistischer posts, ich berichtete, wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Bei guter Führung kann er jedoch nach einem Jahr raus und die restlichen zwei Jahre werden umgewandelt auf Bewährung
http://www.056.ua/news/576113
– Im Kopf der Nachricht ist ein Foto von einer Zelle, mit dem Slogan „Separatismus wird bestraft“. Keine Ahnung ob’s eine offizielle Aktion im Stile der uns bekannten „Raubkopierer werden bestraft“ ist, aber es sieht danach aus. bbK: „Lieber 3 Jahre auf Bewährung als ein Leben lang auf Knien oder Kanonenfutter für das Geld des jüdischen Abschaums“ (Kolomoiski, der Gouverneur von DP ist Jude, Kommentare gegen ihn sind nicht selten anti-semitisch formuliert)

 

OLIGARCHEN

Kolomoiskiy hat versichert, dass er kein Interesse an einer Übernahme der Betriebe von Achmetov und Firtash hat, deren Verstaatlichung er zuvor gefordert hatte. Diese Idee stamme auch gar nicht von ihm, er habe sie von den Anführern des Maidan übernommen, die gefordert hatten, dass alle Unternehmen, die unter Janukowitsch privatisiert wurden, verstaatlicht werden sollen.
http://www.056.ua/article/577138
– Der Nickname des bbK „Das Verstaatlichte übernimmt er dann umsonst, wofür hat er sonst eine ganze Armee“

Der Vize-Gouverneur von Dnepro-Petrovsk versichert, dass es keinen Konflikt zwischen Poroshenko und Kolomoiski gebe
http://www.056.ua/news/577563

Privat-Banken im Südosten
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3387961-na-lynyy-ohnia-pryvatbank-v-voine-na-donbasse
– Die Banken der Privat-Gruppe des für seine anti-separatistischen Positionen bekannten Kolomoiski leiden am meisten unter der Gesetzlosigkeit im Donbass. Es gehört mittlerweile zum guten Ton und Pflichtprogramm, diese Banken auszurauben. Der verlustreichste Tag war der 2. Juli, als in Donezk 15 mio Griven geraubt wurden (welche vorgesehen waren für Sozialausgaben). In Nikolaev wurden zweimal Privat-Banken in Brand gesteckt, in Odessa vier mal, und in Dnepro-Petrovsk gab’s Bombendrohungen.

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