16. Juli 2014: Kurz: Milch-Business, Euromaidan Odessa, Osten

Verglichen mit dem Vorjahr, ist die Ausfuhr von Milch und Milchprodukten aus der Ukraine in diesem Jahr um 30% gesunken, allein auf den russischen Markt bezogen beträgt der Rückgang gar 40-46%.
Die Milchproduzenten werden ihre Produkte nicht los, selbst im Landesinneren ist der Verbrauch von 2988 Tonnen im Januar auf 2248 Tonnen im Juni gesunken – „und das obwohl der Verbrauch im Sommer bisher immer gestiegen ist.“

Rohmilch kostet mittlerweile 15-17% weniger als sonst, die Preise der weiterverarbeiteten Produkte jedoch fallen (anders als in Vorjahren) nicht, statt dessen versucht man, den arabischen Markt zu erschließen. Was sich aber nicht wirklich rechnen werde: Während man z.B. Trockenmilch für 3.500 $/t an Russland verkaufen könne, so seien auf dem arabischen Markt nur 3150-3200 $/t zu erreichen…
http://business.vesti.ua/61256-ukrainskie-molochniki-ne-gotovy-silno-snizhat-ceny

 

ODESSA

In Yuzhniy (odessiter oblast) werden die Menschen ab dem ersten August 27% mehr für ihre Wohnungen zahlen müssen, kommunale Tarife, sprich Nebenkosten.
http://timer.od.ua/news/v_yujnom_na_27_podnimut_kvartplatu_568.html

Am 20. Juli, jetzt Sonntag, ist um 18 uhr eine Kundgebung gegen die EU-Assoziierung geplant, auf dem Kulikovo Pole, vor dem Gewerkschaftshaus
http://timer.od.ua/news/evromaydanovtsi_namereni_lyubimi_sposobami_ne_dopustit_mitingov_na_kulikovom_pole_637.html
– aus dem abgebildeten Flyer (leicht gekürzt):

„WIR SAGEN NEIN zur Ratifizierung des schändlichen Vertrages mit der EU.
Dieser als „größter Verdienst“ dargestellte Vertrag ist nichts weiter als eine Kolonisierung der Ukraine.
Die Assoziierung mit der EU heißt:
– Vernichtung heimischer Produzenten und des wissenschaftlichen und industriellen Potenzials des Landes
– dutzende Milliarden Verlust im Staatsbudget, exorbitante Kosten (120-150 mlrd Eur) für die Umorientierung der Ökonomie unter die Bedingungen der EU
– Schließung vieler Betriebe wegen Nicht-Erfüllens von EU-Standarts, Massenarbeitslosigkeit, steigende Preise
– Propagierung der sog. „LGBT-Kultur“, welche unserem Volk fremd ist“

So weit so gut… Aber: Im verlinkten Artikel geht es eigentlich darum, dass der odessiter Euromaidan diese Kundgebung gerichtlich verbieten lassen will und zu diesem Zwecke am 19.7. das Rathaus und die Polizeizentrale picketieren will, damit diese „Versammlung der Kartoffelkäfer“ nicht zugelassen wird.
Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, so werden sie selbst dafür sorgen, dass die Veranstaltung nicht stattfinden kann. „Die separatistischen Sabbathe in Odessa sind vorbei!“

DAS, Leute, ist der Euromaidan. Und nur das.
Die stellen keine sozialen Forderungen, sondern bekämpfen die, welche solche Themen ansprechen, als Separatisten. Der ideologische Background oder deren theoretische Analyse beschränkt sich darauf, dass an allem Russland und die Sowjet-Vergangenheit schuld sind, und mit der West-Ausrichtung alles besser wird… Mehr haben die nicht zu bieten.
– und gebt euch nicht der Illusion hin, es ginge ihnen um Solidarität mit der LGBT-Kultur! Die „Liberalen“ in diesem Sinne sind sowohl bei Euro-, als auch bei Anti-Maidan eine Minderheit (wobei „Liberale“ insgesamt natürlich eher den Euromaidan gut finden).

Heute morgen hat die Polizei bekannt gegeben, dass sie in der Umgebung von Odessa eine illegale Nähfabrik ausgehoben hat, wo etwa 15 illegale Asiatinnen und Asiaten rund um die Uhr gefälschte Markenkleidung produziert haben.
http://timer.od.ua/news/v_odesskoy_oblasti_nelegali_aziati_shili_lipoviy_adidas_552.html

 

OSTUKRAINE/NOVOROSSIYA

Die Kampfhandlungen im Osten scheinen mächtig in der Krise zu stecken, die Zentralgewalt kommt nicht voran, es sieht eher danach aus, dass die Rebellen in der Offensive sind. Ohne auf deren Seiten zu gucken, einfach nur aufgrund der Berichterstattung in ukrainischen Blättern. Dieses gestern verlinkte Telefongespräch war nur der Anfang, heute gibt es zwei weitere bei der Kiev Times (mit youtube.links, auch zu dem gestrigen Anruf bei 112.ua)
http://thekievtimes.ua/society/388803-ledenyashhaya-pravda-ob-ato.html
– es wird von Verrätern in den eigenen Reihen gesprochen, und von nicht nachvollziehbaren Befehlen. Ein Offizier sagt „Das ist nicht einmal Verteidigung, wir erdulden einfach eine Niederlage.“ Die Soldaten sind eingekreist, sie können nicht einmal genau sagen, wer auf sie schießt. Es könne sein, dass sie auch von russischem Territorium aus beschossen würden. Die Rede ist von Drohnen, die über ihnen im Einsatz seien, wessen ist nicht klar.

Er erwähnt auch diese Attacke bei Zelenopole am 11.7., und spricht von mindestens 200 Toten, es sei unfassbar, dass die Kommandoebene nur von knapp über 20 spricht. „Wie lange wir noch aushalten? Keine Ahnung, vielleicht noch ein, zwei Tage…“

Auch andere Medien berichten darüber, das ist anscheinend Top-Thema…
http://vesti.ua/donbass/61217-soldaty-ato-rasskazali-o-strashnyh-poterjah-72-j-mehbrigady-v-bojah-pod-luganskom
http://gazeta.ua/ru/articles/np/_sily-ato-otstupili-ot-granicy-mnogo-pogibshih-i-ranenyh/569997
– auf pravda.com.ua sind es mehrere Kurzberichte. Eine Niederlage, Rückzug, oder etwas in diese Richtung scheint sich abzuzeichnen…

Das Verteidigungsministerium hat heute zugegeben, dass russisches Territorium beschossen wurde, zumindest in der letzten Nacht. Das sei jedoch Folge dessen, dass die ukrainischen Soldaten von Rebellen aus dem direkt an Russland grenzenden Gebiet beschossen werden und man dieses Feuer erwidere
http://vesti.ua/donbass/61259-kiev-priznalsja-v-obstrele-rossijskoj-granicy

Bilder von der Front
http://photo.vesti.ua/donbass/2273-boj-ikony-i-pole-v-cvetah-foto-s-peredovoj

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