17. Juli 2014: Spekulationen, Proletarische Revolution, Lokales

Riesenthema ist natürlich die abgestürzte Boeing 777 der Malaysia Airlines. Aber in den ukrainischen Medien steht nichts anderes drin als was ihr nicht auch hier z.B. nachlesen könntet
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/malaysia-airlines-moeglicher-abschuss-flugzeug-mit-295-menschen-in-der-ukraine-abgestuerzt/10216544.html

Wobei die ukrainischen Medien natürlich hauptsächlich die Version wiedergeben, dass die Separatisten das Flugzeug mit dem BUK-System abgeschossen hätten
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3393867-passazhyrskyi-samolet-v-donetskoi-oblasty-sbyly-yz-kompleksa-buk-mvd
– neben dem zu erwartenden „Die Amis warn’s“ (oder auch Russland/Ukraine) gibt es ein paar Kommentatoren (angeblich ex-Soldaten, die BUK kennen), die detailreich versuchen zu wiederlegen, dass es die Rebellen waren. Sie meinen, das wäre technisch äußerst unwahrscheinlich bis unmöglich, diese Teile bediene man nicht wie eine PZRK, das sei hochkomplex, man bräuchte eine besondere Infrastruktur wie Radar und andere Sachen… keine Ahnung…

Die Rebellen haben übrigens ende Juni angeblich ein BUK-System erbeutet (mit Foto)
http://voiceofrussia.com/news/2014_06_29/Donetsk-militia-takes-control-of-Ukrainian-anti-air-installation-1561/

Es ist die selbe Airline und auch der selbe Flugzeugtyp, Boeing 777-200ER, wie auch die berühmte, am 8. März mysteriös verschwundene Maschine. Das nährt natürlich Verschwörungstheorien. Noch dazu, weil der Erstflug der heutigen Maschine am 17.7.1997 war und die Maschine am heutigen 17.7.2014 sozusagen ihren 17. Geburtstag hatte… Krass, oder?
http://www.airfleets.net/ficheapp/plane-b777-28411.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Malaysia-Airlines-Flug_17
Die Rebellen haben angekündigt, die Black Boxes nach Russland zu entsenden.
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3393907-dnr-peredast-chernye-yaschyky-razbyvshehosia-boynha-v-moskvu

 

Die Armeen der ATO sollen neu positioniert werden
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3393894-henshtab-planyruet-peredyslokatsyui-voisk-ato
Grund dafür ist „der nachweisliche Beschuss von russischer Seite“, es gebe Videos und Satelliten-Fotos. Der Versuch, die Rebellen einzukreisen hat deshalb zum Ergebnis gehabt, dass nicht die Rebellen sondern die Soldaten der ATO eingekreist waren. Es seien auch Soldaten in russischer Uniform in der Region von Izvarino (Lugansk) gesehen worden
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3393814-snbo-v-raione-yzvaryno-poiavylys-voennye-v-rossyiskoi-forme
Der SNBO (Verteidigungs- und Sicherheitsrat) spricht von 5 toten Soldaten bei Izvarino, während die dortige Quelle von korrespondent.net zuvor schon von über 200 Gefallenen berichtet hat
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3393630-pod-yzvaryno-pohyblo-bolee-200-voennykh-ystochnyk

Was die „Beweise“ betrifft, für Beschuss von russischer Seite, so ist mir nichts „offizielles“ dazu über den Weg gekommen, lediglich dieses Video in Kommentaren

und der dazugehörige google-street-view-link
https://www.google.com.ua/maps/@48.074976,39.927881,3a,75y,291.5h,91.31t/data=!3m4!1e1!3m2!1sfXFLTeywV0NLPLSFprV7tw!2e0
– wenn man jedoch zwischen Blickrichtung und Karte hin und her wechselt (und dabei ein wenig heraus-zoomt), scheint es eher so zu sein, dass dieser Grad-Abschuss durchaus von ukrainischem Territorium stattfindet. Die Grenze ist etwa 2,5 km entfernt, auf der anderen Seite liegt Chervonopartizansk – und nördlich davon Provalie, von wo aus „die Terroristen ukrainische Truppen bei Chernopartizansk mit Grad beschießen“
http://www.obzor.lg.ua/news/obstrel36927
– Provalie ist keine zehn km vom Kameramann des youtube-videos entfernt…

Diese nun schon seit Monaten geäußerten Vorwürfe, dass Russland die Rebellen mit Waffen und Material unterstütze, dass Russland gar direkt und aktiv ins Kampfgeschehen eingreife, wird natürlich von russischer Seite dementiert. Einen Bericht aus der Nezavisimaya Gazeta gibt die deutsche RIA wieder:
http://de.ria.ru/zeitungen/20140716/269021827.html
„Die Amerikaner [überwachen] fast ununterbrochen das Grenzgebiet zwischen Russland und der Ukraine. Mit den Satelliten könnten sie genau bestimmen, welche Rüstungen vor Ort seien. Es sei auch kein Problem, den genauen Ort und Zeitpunkt eines Grenzübertritts zu bestimmen. Doch bislang sei kein einziger Beweis vorgelegt worden.“

Frontbericht vom 17.7.2014
http://korrespondent.net/ukraine/events/3393823-frontovye-svodky-s-yuho-vostoka-za-17-yuilia

 

PROLETARISCHE REVOLUTION

Am 17. Juni sagte Viktoria Syumar (stellvertretende Sekräterin des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine [SNBO] vom 28.2.2014 bis 6.6.2014) in einem Interview mit der Zeitschrift Glavkom, dass man auf dem Maidan glücklicherweise eine proletarische Revolution habe abwenden können. Im Donbass hingegen sei es zu so einer proletarischen Revolution gekommen.
http://glavcom.ua/articles/20196.html

„Und abgesehen vom hybriden Krieg Russlands und des kriminellen Aufstands, geschieht dort, zu einem gewissen Grad, auch eine proletarische Revolution. Die Leute wollen Arbeit, sie wollen nicht mehr für ein paar Kopeken in den Gruben schuften. Sie verstehen, dass die Millionäre und Milliardäre zu ihrer Zeit mit MG’s gekommen sind, und denken sich, warum sollen wir ihnen diesen Weg zum Geld nicht nachmachen.
[…]
Genau, einen solchen proletarischen Aufstand konnten wir, zum Glück, verhindern auf dem Maidan, wo es zu einer bürgerlichen national-befreierischen Revolution kam. Aber im Donbass kam es zu einer proletarischen Revolution, welche, grundsätzlich, wesentlich blutiger und zerstörerischer in ihren Folgen sind.“

 

K I E V

Gestern kam es zu einer Protest-Kundgebung von Müttern der Soldaten, die in der ATO im Einsatz sind. Ein Fernsehteam von „112 Ukraina“ schaltete kurz live zu dieser Kundgebung und fing unter anderem diese aussagekräftige Meinung von einer der Mütter ein
http://112.ua/obshchestvo/v-kieve-zheny-i-materi-voennosluzhaschih-piketirovali-zdanie-ap-s-trebovaniem-rotacii-88558.html
„Wem gehören die Minen, der Boden, die Flüsse, alles ist privatisiert. Und wir sollen die Köpfe senken? Warum? Sie haben Milliarden gestohlen, dann sollen sie auch ihre Milliarden einsetzen, ihre Leute bezahlen, und dann sollen sie eben kämpfen. Oder sollen sie doch ihre Söhne nehmen um dort zu kämpfen, diese Parasiten!“

Hier eine Auflistung aller Bombendrohungen in der letzten Woche. Alleine in den letzten drei Tagen sind 14 Objekte betroffen gewesen, neben den schon erwähnten, sehr belebten Einkaufszentren und Hauptbahnhof auch die Generalstaatsanwaltschaft und das Redaktionsgebäude des TV-Senders „Inter“
http://korrespondent.net/kyiv/3393330-mynyrovanye-kyeva-telefonnye-terrorysty-atakuuit-stolytsu

 

O D E S S A

An der Mündung der Donau wurde am 14.7. eine nicht identifizierte Drohne ausgemacht, die in Richtung Odessa geflogen ist
http://timer.od.ua/news/neizvestniy_bespilotnik_pokrujil_nad_dunaem_i_poletel_v_storonu_odessi_185.html
http://dumskaya.net/news/izmailskie-pogranichniki-zametili-v-nebe-nad-dun-037509/
http://trassae95.com/all/news/2014/07/17/neizvestnyj-bespilotnik-razvedchik-uzhe-neskoljko-dnej-kruzhit-nad-odesskoj-oblastjyu-15817.html
http://od.vgorode.ua/news/230121-neyzvestnyi-bespylotnyk-razvedchyk-neskolko-dnei-letaet-nad-odesskoi-oblastui
Hier auch die Nachricht dazu aus Izmail (die südlichste Stadt der odessiter Oblast, an der Grenze zu Rumänien, nicht weit von der Donau-Mündung)
http://www.izmacity.com/novosti/skandal/8191-bespilotnik-nad-dunaem-kto-za-nami-sledit

„Die Vertreter der ‚fünften Kolonne‘ fühlen sich wohl in Odessa“ sagt Zoya Kazanzhi, die Beraterin des Gouverneurs der odessiter Oblast. Es gebe kaum „patriotischen Medien“ und in den Kirchen des Moskauer Patriarchats würde agitatorische Arbeit gemacht. Deswegen haben sie ein „Krisenzentrum für Medien in Odessa“ initiiert, um „unabhängige Medien“ zu schaffen.
http://trassae95.com/all/news/2014/07/17/predstaviteli-pyatoj-kolonny-v-odesse-chuvstvuyut-sebya-komfortno-kazanzhi-15822.html

 

K H A R K O V

Der Innengeheimdienst SBU hat vorgestern 3.000 Exemplare der Zeitung „Novorossiya“ bei einem 45-jährigem Kharkover beschlagnahmt, ihn erwartet jetzt ein Verfahren wegen „Eingriffs in die territoriale Integrität und die Unverletzlichkeit der Ukraine“.
http://www.057.ua/news/577055

Kharkover Bürger werden ab dem ersten August 15 Griven mehr für Kaltwasser zahlen und 20 Griven mehr für’s Abwasser (Kanalisation). Der Wasserzufluss kostet dann 41,89 Gvn, und der Wasserabfluss 33,7 Gvn.
http://www.057.ua/news/578056
– „Sollen sie die Rechnungen an die schicken, die dafür auf dem Maidan waren!!! Penner!“ (best bewerteter Kommentar – bbK); es folgen: „Slava Maidanu! Poroshenko Slava!“ und „Die Kharkover wissen noch nicht, wie sich Warmwasser verteuert, und ob es überhaupt welches geben wird“

Die aus der Zone der ATO Fliehenden heißen übrigens „Umgezogene“. 24.000 Neuzugezogene wurden in der kharkover oblast registriert
http://www.057.ua/news/577960

Das Kharkover Operntheater erwartet am 28.11.2014 den Gastauftritt von Ivan Ohlobystin. Die lokale Sektion der Partei „Svoboda“ fordert, diesen Auftritt nicht zuzulassen, Ohlobystin sei bekannt für seine anti-ukrainische Haltung. Die Svoboda ruft alle Theaterhäuser und allgemein Kulturproduzenten dazu auf, wachsam und aufmerksam zu sein, um Ukrainophobie und russische Propaganda in ukrainischen Kultureinrichtungen nicht zuzulassen. Sollten diese Aufforderungen nicht befolgt werden, behält sich die Svoboda das Recht auf Direkte Aktion vor.
http://www.057.ua/news/577253

Gestern gab es auf dem zentralen Platz eine Kundgebung der KPU, wo auch Flaggen von Novorossiya zu sehen waren. Die Anhänger der Euro-Integration mobilisierten über soziale Netzwerke zu einer Gegenkundgebung. Als die erstgenannte Kundgebung sich schon aufgelöst hatte, kam auch der Rechte Sektor hinzu. Über Inhalte wird nichts berichtet, Polizei war vor Ort und trennte die Gruppen.
http://www.057.ua/news/577447
http://www.057.ua/news/577503
– hier sind die Kommentare eindeutig pro Euromaidan, bzw. man fürchtet, dass mit diesen Demos die Stimmung aufgeheizt wird und man hat einfach keine Lust auf „donbasser Verhältnisse“

 

D N E P R O – P E T R O V S K

Patriotische Straßenbahnen seit kurzem in der Stadt, eine seit Juni, die andere seit vorgestern auf den Straßen unterwegs
http://www.056.ua/news/576248
http://www.056.ua/article/578135
– „viele Bürger der Stadt freuen sich und die Fahrer dieser Bahnen sind stolz auf ihren Arbeitsplatz“ – in den Kommentaren is eher wenig los und geht so in die Richtung „TOLL! Und bald kriegen wir noch blau-gelbe Dixie-Klos, damit wir uns so richtig patriotisch ausscheißen können“

Der 33-jährige Internetseparatist, am 4. Juni verhaftet wegen separatistischer posts, ich berichtete, wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Bei guter Führung kann er jedoch nach einem Jahr raus und die restlichen zwei Jahre werden umgewandelt auf Bewährung
http://www.056.ua/news/576113
– Im Kopf der Nachricht ist ein Foto von einer Zelle, mit dem Slogan „Separatismus wird bestraft“. Keine Ahnung ob’s eine offizielle Aktion im Stile der uns bekannten „Raubkopierer werden bestraft“ ist, aber es sieht danach aus. bbK: „Lieber 3 Jahre auf Bewährung als ein Leben lang auf Knien oder Kanonenfutter für das Geld des jüdischen Abschaums“ (Kolomoiski, der Gouverneur von DP ist Jude, Kommentare gegen ihn sind nicht selten anti-semitisch formuliert)

 

OLIGARCHEN

Kolomoiskiy hat versichert, dass er kein Interesse an einer Übernahme der Betriebe von Achmetov und Firtash hat, deren Verstaatlichung er zuvor gefordert hatte. Diese Idee stamme auch gar nicht von ihm, er habe sie von den Anführern des Maidan übernommen, die gefordert hatten, dass alle Unternehmen, die unter Janukowitsch privatisiert wurden, verstaatlicht werden sollen.
http://www.056.ua/article/577138
– Der Nickname des bbK „Das Verstaatlichte übernimmt er dann umsonst, wofür hat er sonst eine ganze Armee“

Der Vize-Gouverneur von Dnepro-Petrovsk versichert, dass es keinen Konflikt zwischen Poroshenko und Kolomoiski gebe
http://www.056.ua/news/577563

Privat-Banken im Südosten
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3387961-na-lynyy-ohnia-pryvatbank-v-voine-na-donbasse
– Die Banken der Privat-Gruppe des für seine anti-separatistischen Positionen bekannten Kolomoiski leiden am meisten unter der Gesetzlosigkeit im Donbass. Es gehört mittlerweile zum guten Ton und Pflichtprogramm, diese Banken auszurauben. Der verlustreichste Tag war der 2. Juli, als in Donezk 15 mio Griven geraubt wurden (welche vorgesehen waren für Sozialausgaben). In Nikolaev wurden zweimal Privat-Banken in Brand gesteckt, in Odessa vier mal, und in Dnepro-Petrovsk gab’s Bombendrohungen.

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