28. Juli 2014: Soldaten, Betriebe, Umfragen

Proteste von Müttern und Verwandten nehmen zu, einige haben lange nichts mehr von ihren Söhnen, Ehemännern und Vätern gehört, Gerüchte über wesentlich höhere Verluste als zugegeben machen natürlich die Runde, und wie zuvor schon berichtet, greifen ukrainische Medien derartige Nachrichten verstärkt auf. Heute fand ich ein Video, wo die Bewohner/innen eines Dorfes die Einberufungsbescheide verbrannten

Hier noch Berichte über derartige Proteste in der Odessiter Oblast von gestern und heute
http://timer.od.ua/news/jiteli_odesskih_sel_ne_hotyat_idti_na_voynu_375.html
http://timer.od.ua/news/jiteli_chabanki_perekrili_trassu_trebuya_vernut_domoy_soldat_716.html
http://timer.od.ua/news/za_lojnoe_zaminirovanie_suda_shutnika_otpravili_v_tyur_mu_na_tri_goda_219.html

Ihr habt wahrscheinlich gehört, dass angeblich über 200 ukrainische Soldaten nach Russland geflüchtet sind, in den ukrainischen Medien hab ich zumindest heute nicht dazu gelesen. Hab aber auch keine Zeit gehabt, da konkret nach zu suchen. Andererseits werden ja verletzte ukrainische Soldaten in Russland behandelt (ich schrieb letztens darüber), vielleicht handelt es sich ja genau um diese, ich guck die Tage nochmal.

Insgesamt scheint es wohl so, dass die Mobilisierung nicht gerade freudig aufgenommen wird, das ist nun schon die Dritte! Es heißt zwar, es ginge darum, den im Einsatz befindlichen Soldaten eine Ruhepause zu ermöglichen, andererseits gibt es Videos und Meldungen, dass Leute, die gerade erst im Einsatz waren, wieder gezogen werden. Wie viele so etwas betrifft, kann ich nicht einschätzen, sind vereinzelte Nachrichten.
– auf jeden Fall scheinen sich Proteste zu mehren.

Die Freiwilligen-Bataillone hingegen scheinen beliebter zu sein, werden ja auch dementsprechend bezahlt…

http://www.tagesspiegel.de/politik/freiwilligenbataillone-haben-zulauf-der-krieg-in-der-ukraine-und-seine-soeldner/10256334.html
– sorry für den Tagesspiegel-Link, aber der liefert ein paar Infos. So auch der Folgende
http://www.tagesspiegel.de/politik/anschlaege-auf-buergermeister-kaempfe-im-osten-ukraine-land-im-schatten-der-gewalt/10254704.html

Ein interessanter Artikel zu der Flugzeug-Katastrophe
http://www.austrianwings.info/2014/07/mh17-abschuss-hintergruende-zum-russischen-raktensystem-buk/

Und hier krasse Bilder aus dem Kampfgebiet
http://timer.od.ua/news/obstrel_gorlovki_ulitsi_zavaleni_trupami_mirnih_jiteley_ostorojno_foto_i_video_770.html
– ihr müsst (oder müsst nicht, echt heftige Bilder) auf diese „осторожно фото“ klicken. Es handelt sich um die Stadt Gorlovka, 14 Zivilisten, darunter fünf Kinder, wurden durch den Artillerie-Beschuss durch die ukrainische Armee ermordet
http://korrespondent.net/ukraine/politics/3398483-yz-za-obstrela-horlovky-pohybly-piatero-detei

 

BETRIEBE IN DER OSTUKRAINE

Viele Betriebe stehen still wegen der Gefechte, teilweise weil sie direkt vom Beschuss betroffen sind, teilweise weil die Energiezufuhr nicht mehr gewährleistet ist. So zum Beispiel viele Bergwerke
http://112.ua/ekonomika/iz-za-boevyh-deystviy-shahta-komsomolec-donbassa-priostanovila-svoyu-rabotu-dtek-93864.html
– in diesem Betrieb (gehört Ahmetov) arbeiten 5.000 Menschen. Aus Sicherheitsgründen wurde die Produktion auf Order von Ahmetov selbst eingestellt und nur noch das nötige Minimum wird erledigt (Ventilation, Entwässerung, etc), und zwar von Arbeitern aus der direkten Umgebung, die nicht durch umkämpftes Gebiet zur Arbeit müssen. Von den anderen sind einige nach Tarif beurlaubt, andere unbezahlt beurlaubt, aber mit Garantie, dass sie ihren Arbeitsplatz behalten.

Es sind eine menge Meldungen über Betriebe, welche die Arbeiten eingestellt haben… ich werd die jetzt nicht alle verlinken. Darüber hinaus fährt auch die Eisenbahn nicht, was anderen Betrieben in den nicht umkämpften Gebieten widerum Probleme mit der Rohstoff-Zufuhr bereitet. In Mariupol sind zwei Stahlwerke vom Rohstoff-Nachschub abgeschnitten und bemühen sich händeringend um Alternativen, damit der Betrieb nicht zum Stillstand kommt
http://112.ua/ekonomika/iz-za-ato-priostanovleno-obespechenie-syrem-2-h-mariupolskih-metkombinatov-gendirektor-93777.html

Die Koks- und Chemie-Fabrik (коксохимзавод) in Avdeevka hat seit dem 21.7. nur ein Viertel der nötigen Energie, heute ist auch die letzte von vier Stromzuleitungen (jeweils 110 kV) ausgefallen. Die Batterien sind jetzt in der Phase der „heißen Konservierung“, aber wenn nicht innerhalb von 24 Stunden die Energiezufuhr wieder einsetzt, werden sie unbrauchbar (sorry, mir fehlt sowohl Fachwissen als auch Fachvokabular um es besser zu übersetzen…)
http://112.ua/ekonomika/v-dtek-zayavili-chto-avdeevskiy-koksohimzavod-polnostyu-obestochen-iz-za-boevyh-deystviy-93875.html

Vor ein paar Tagen (23.7.) gab es dazu die Meldung, dass eine ökologische Katastrophe droht, wenn die Energiezufuhr wegbricht. Es drohe chemisch verseuchtes Wasser in den nahen Fluss auszutreten, überhaupt könnten die ganzen Chemikalien die Umgebung auf lange Zeit unbewohnbar (!) machen…
http://112.ua/glavnye-novosti/obestochivanie-avdeevskogo-koksohimicheskogo-zavoda-grozit-ekologicheskoy-katastrofoy-dtek-91649.html
Es handelt sich übrigens um diesen Betrieb
http://en.wikipedia.org/wiki/Avdiivka_Coke_Plant
Und der Betrieb gehört Rinat Ahmetov
http://112.ua/obshchestvo/boeviki-zahvatili-avdeevskiy-koksohimicheskiy-zavod-nepodtverzhdennaya-informaciya-89526.html

 

UMFRAGEN

Grundsätzlich ist, denke ich mal, klar, dass die Umfragen nicht als repräsentativ gelten können, im wissenschaftlichen Sinn, aber sie werden nicht von grundsätzlichen Stimmungsbild abweichen. Außerdem merken die Verantwortlichen, wenn eine Umfrage gezielt manipuliert wird und irgendein Roboter-Programm andauernd abstimmt.

Hab vor ein paar Tagen erst gesehen, dass eine Umfrage deswegen abgebrochen wurden, bei korrespondent.net, die ist auch nicht mehr im System
– am Ende der Links, die Zahl: Gerade = Russisch gefragt, Ungerade = Ukrainisch gefragt. 5661 und 5662 ergeben Fehlermeldungen, da war die Umfrage, die anscheinend von pro-russischen Aktivisten gekapert wurde.

Die Frage von 112.ua zur NATO-Mitgliedschaft läuft noch, Teilnehmerzahl von 25.286 auf 35.319 gestiegen, aber die Ergebnisse zeigen nur minimale Veränderungen, unter 1,0%…
http://112.ua/oprosy/
Und dann noch vier Ältere von korrespondent.net

Wie viel Geld haben Sie für die ukrainische Armee gegeben (wörtl. „geopfert“)?
http://korrespondent.net/Default.aspx?page_id=51&lang=ru&id=5660
von 17.256 stimmten
– 68,3% „Ich habe nichts zum Nutzen der ukrainischen Armee geopfert“
– 16,7& „Bis 100 Griven“
– 6,5% „Bis 500 Griven“
– 2,7% „Bis 1000 Griven“
– 5,8% „Über 1000 Griven“

Wie stehen Sie zum unwiderruflichen Verkauf staatlichen Eigentums?
http://korrespondent.net/Default.aspx?page_id=51&lang=ru&id=5658
von 14.431 stimmten
– 59% „Negativ. Alles kaufen Oligarchen auf, zu nicht marktkonformen Preisen“
– 26,6% „Man sollte nur verlustbringende Unternehmen privatisieren“
– 8,7% „Positiv. Ein effektiver privater Investor wird die Unternehmen leiten“
– 5,7% „Mir egal, sollen se doch verkaufen“

Welchen Medien vertrauen Sie am meisten?
http://korrespondent.net/Default.aspx?page_id=51&lang=ru&id=5664
von 21.154 stimmten
– 37,9% „Ich vertraue den Medien überhaupt nicht“
– 32,5% „Den Russischen“
– 22,8% „Den Ukrainischen“
– 5,2% „Westeuropäischen“
– 1,7% „Amerikanischen“

Wie macht sich der Anstieg der kommunalen Tarife in Ihrem Hausbudget bemerkbar?
http://korrespondent.net/Default.aspx?page_id=51&lang=ru&id=5656
von 11.503 stimmten
– 54,4% „Macht sich wesentlich bemerkbar, das Geld reicht nicht um sie zu bezahlen“
– 35,4% „Der Anstieg der Tarife macht sich bemerkbar, aber es ist noch nicht kritisch“
– 10,2% „Macht sich überhaupt nicht bemerkbar, für mich sind das unwesentliche Ausgaben“

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