Für Einsteiger: Mitte Juni bis 15. Juli 2014

Aus dem Inneren der Ukraine (Presseschau)

(Diese Presseschau ist aus einer Diskussion mit zwei Freunden entstanden. Als ich auf einer Veranstaltung davon erzählte, hatt ich gleich einige Leser_innen mehr, und für die habe ich folgende Einleitung verfasst.)

Aus den mails der vergangenen Wochen hab ich einige Sachen herauskopiert, um eine Einleitung oder Vorgeschichte bieten zu können, ohne euch die ganzen mails zu schicken – die sind einfach zu lang und entstanden aus einer konkreten Diskussion – das würdet ihr eh nicht alles lesen…

Okay, zugegeben, auch auch diese mail ist lang, aber das ist sozusagen das „best of“ aus allen mails der letzten vier Wochen. Es sind ein paar allgemeine Sachen, und eine Auswahl meiner Kurzrezensionen von Nachrichten aus ukrainischen (lokalen) Medien – ohne meine Kommentare und Einschätzungen. Einen Teil davon hab ich kurz als PS und PPS am Ende dieser mail mit reingenommen, als Bonus sozusagen.
– ich hab gerade nochmal alles durchgelesen und keine 20 Minuten gebraucht. Ihr werdet sehen, diese viertel Stunde lohnt sich.

Angefangen hat die Diskussion mit meinen Bekannten über die Einschätzung des sog. Anti-Maidan, von da ausgehend auch ausgeweitet auf das Thema Novorossiya und Faschisierung der Ukraine. Zum Veranschaulichen meiner Sicht hab ich denen dann kurz zusammengefasste Nachrichten aus den ukrainischen Lokalmedien geschickt, wo ich auch die Diskussionen in den Kommentarspalten kurz anreiße und grob wiedergebe. Hinzugenommen hab ich dann noch die Konflikte zwischen Oligarchen, Nachrichten über das Kampfgeschehen im Osten, die wirtschaftliche Lage, soziale Proteste – im Grunde, alles, was mir spontan interessant und erwähnenswert erscheint.

 

ALLGEMEINES

Über die Anführer der Separatisten hat die Bundeszentrale für politische Bildung am 6. Juni einen interessanten Text veröffentlicht, der am 19. Mai auf Russisch erschienen war. Ich teile nicht alle Interpretationen, aber der Text ist informativ, hier ein Auszug:

„Puschilins Leute […] schaffen ein überzeugendes Bild des Separatismus in Donezk. Ich nehme an, dass Rinat Achmetow genau dieses Bild benötigte, um mit Kiew zu verhandeln und versprechen zu können, Puschilin und seine Leute zum Rückzug zu bewegen, wenn Kiew die gewünschten Zugeständnisse mache. Es wäre wahrscheinlich letztendlich auch alles so gelaufen, wenn da nicht Slowjansk gewesen wäre. In Donezk sitzen Leute in Verwaltungsgebäuden, Rentner gehen zu Kundgebungen und auf den Straßen sind Pseudobarrikaden zu sehen. In Slowjansk ist alles ernst. In Slowjansk sitzt Strelkow.
[…] Sein Auftauchen in Donezk nicht in der Rolle eines geheimen Beraters, sondern eines Menschen, der offen ein schweres Verbrechen nach ukrainischem Recht begeht, zeigt, dass er nicht mehr von jemandem angestellt ist. Die jüngsten Äußerungen Strelkows zeigen alles Mögliche, aber nicht, dass ihm Russland hilft. […]
Dass Borodai sich Strelkow angeschlossen hat, gehört zu einer Geschichte über wahre Freundschaft und sonst nichts. Borodai kann nicht als Beweis für die Verantwortung des Kreml an Strelkows Aktivitäten dienen. Das ist nicht die Hand Moskaus, es ist einfach Borodai – auch so etwas gibt es.“
http://www.bpb.de/internationales/europa/ukraine/185497/die-anfuehrer-der-separatisten-in-donezk-und-luhansk

 

Ukrainischer TV-Bericht über Flüchtlinge aus Slaviansk (dt. Untertitel, äußerst sehenswerte 5 Minuten!)

Der Angriff auf das Verlagsgebäude der Zeitung „Vesti“ am 5. Juli in Kiev (2 Minuten)

Warum Russland noch immer nicht in den Konflikt eingegriffen hat (dt. Untertitel, auch sehr empfehlenswerte 3 Minuten!)

Interessant sind auch die Umfragen von 112.ua – http://112.ua/oprosy/
In der vom 1.-14.7. wurde gefragt „Unterstützen Sie die Fortführung der ATO?“
219.410 Stimmen: 60,1% Nein; 39,6% Ja

Seit dem 14.7. lautet die Frage: „Haben Sie Geld überwiesen, um die ukrainische Armee zu unterstützen?“
14.945 Stimmen bisher: 41,6% „nicht überwiesen“; 31,1% „an die andere Seite überwiesen“; 22,3% „überwiesen“; 4,1% „der Armee – nein, den Flüchtlingen und Verwundeten – ja“.

 

Zwischen mitte Juni und anfang Juli gab es „Protestaktionen“ des Rechten Sektors gegen russische Banken, in mehreren Städten. In der Regel beschränkte sich das (soweit ich weiß) auf picketing-Aktionen, aber in Zhitomir sind die Aktivisten stundenlang unterwegs gewesen und haben fünf russische Banken demoliert. Vor den Augen der Bullen!

Bei 1:15 gibt es die Megaphon-Ansage „Nein zu russischen Banken in der Ukraine“, und bei 4:08, nach der Visitenkarte von Dmitro Yarosh (übrigens genau die, die auch am 20. April bei Slaviansk „gefunden“ wurde, als sich die halbe Welt in den sozialen Netzwerken über die „tumbe russische Propaganda“ lustig gemacht hat:
http://euromaidanpress.com/2014/04/20/hashtag-yaroshs-business-card-blows-the-internet-away/
– auf jeden Fall ist nach dieser Karte ab 4:15 ein Aufkleber zu sehen „Boykottier russische Waren! Kauf ukrainisch ein!“

Noch was zum neunten Mai:
Der Gouverneur von Kherson (auch Südosten) hat bei der dortigen Feier öffentlich gesagt, dass Hitler eigentlich die Leute von Joch des Kommunismus befreien wollte…
http://www.streetmob.org/news/natsionalizm/1282-gubernator-khersonskoj-oblasti-nazval-gitlera-osvoboditelem
Der sagt das vor Veteranen! In dem link ist ein Video, die Ansage kommt ab 0:50 etwa. Guckt’s euch an, auch wenn ihr kein Ukrainisch könnt, die Reaktion der Leute ist eindeutig…

 

K I E V

[9. Juli 2014]
Klitschko hat letzten Freitag dazu aufgerufen, die für Samstag geplante Demo für die Rechte sexueller Minderheiten abzusagen. Er sprach davon, dass man angesichts des Krieges im Land und der Tatsache, dass im Donbass Menschen sterben, eine derartige Veranstaltung nicht machen könne, es sei „nicht richtig“.
http://vesti.ua/kiev/59675-klichko-prizval-vozderzhatsja-ot-razvlechenij-i-gej-paradov-vo-vremja-vojny-na-vostoke

Die Veranstalter haben daraufhin die Veranstaltung abgesagt, mit der Begründung, dass sie die Sicherheit der Teilnehmer nicht gefährden wollen. Es kamen mehrere Drohungen von seiten Radikaler, u.a. den Ultras, und die Polizei hat ihnen mitgeteilt, dass sie die Sicherheit der Veranstaltung nicht gewährleisten kann
vesti.ua/kiev/59689-v-kieve-otkazalis-ot-provedenija-gej-marsha …
http://vesti.ua/kiev/59703-pravozawitniki-vozmuweny-otmenoj-marsha-ravenstva-v-kieve

Am Samstag gab es statt dessen eine flash-mob-Aktion von etwa 25 LGBT-Aktivisten. Keine Meldungen über irgendwelche Zwischenfälle
http://vesti.ua/kiev/59854-predstaviteli-seks-menshinstv-proveli-fleshmob-v-kieve

In der folgenden Nacht jedoch attackierten etwa 15 Radikale den LGBT-club „Pomada“ mit Leuchtfackeln und Böllern, verletzt wurde niemand, lediglich Fassade, Klimaanlage und Außenkameras wurden beschädigt.
http://vesti.ua/kiev/60034-v-kieve-radikaly-s-shashkami-napali-na-gej-klub

In der Nacht von Sonntag auf Montag kam es auf dem Maidan zu einer Massenschlägerei inklusive Schießerei. Nach offiziellen Angaben wurden vier Menschen verletzt, Augenzeugen sprechen von mindestens 17 Verletzten (zwei liegen schwer verwundet im Krankenhaus, verweigern jegliche Aussage)
http://vesti.ua/kiev/59875-v-socsetjah-soobwajut-o-massovoj-drake-s-perestrelkoj-na-majdane
http://timer.od.ua/news/strel_ba_v_kieve_na_maydane_govoryat_minimum_o_17_postradavshih_v_militsii_o_chetireh_579.html

Es gibt verschiedene Versionen: einige berichten, dass es ein Streit war zwischen der 3. Hundertschaft und den „Patrioten der Ukraine“ (jetzt Bataillon AZOV), wobei letztere mit MG’s bewaffnet waren und diese benutzten.
Vertreter von Azov hingegen sagen, dass die „Alko-oborona“ (Alko-verteidigung, abwertend angelehnt an „samo-oborona“ = Selbstverteidigung) sie provoziert und angegriffen hätte und sie sich verteidigen mussten
http://vesti.ua/kiev/60037-majdanovcy-ugrozhajut-klichko-i-streljajut-svoih
(in den letzten zwei Monaten kam es in der Umgebung des Maidan zu 48 Diebstählen, 17 Raubüberfällen, 5 Morden, 1 Vergewaltigung und 38 Körperverletzungen)

Auch das ist interessant: die Anzahl abgebrochener Bauprojekte (Wohnungen) hat sich im 2. Quartal 2014 verdreifacht, von 24 auf 68. Man rechnet damit, dass sich die Zahl im Laufe des Sommers auf 100 erhöht.
http://business.vesti.ua/59971-v-kieve-stremitelno-rastet-kolichestvo-nedostroev

[15. Juli 2014]
In Kiev gab es (woweit ich weiß zumindest) keine Bombenanschläge, aber immer wieder Bombendrohungen, die bekannteste dürfte die vom Tag der Präsidentenwahl sein, am 25.5. Gestern waren gleich acht Objekte betroffen: der Hauptbahnhof und die größten Einkaufszentren und Hypermarkets. Alles wurde evakuiert, alle verfügbaren Spezialisten für Sprengstoffe waren im Einsatz, alles Fehlalarm, keine Bekenner.
http://vesti.ua/kiev/61056-kiev-nakrylo-vzryvnoj-volnoj
– mit Karte, wo die jeweiligen Bombendrohungen zu welcher Zeit gemeldet wurden.

 

O D E S S A

[6. Juli 2014]
Am Morgen des 4. Juli gab es einen Bombenanschlag auf das Wehrbezirksamt von Odessa.
http://o1.ua/news/novye-detali-nochnogo-vzryva.html
– 5 Kilogramm Sprengstoff haben Türen und Fenster bersten lassen, das Gebäude als solches blieb unbeschädigt, ein Nachtwächter wurde verletzt. Dieser spricht davon, dass diese Anschläge wohl mit der Mobilisierung von Einheiten aus der Region für den Einsatz im Rahmen der ATO zusammenhängen.

Zuvor, am 30. Juni, wurde ein anderes Gebäude der Militärverwaltung mit mehreren Molotowcocktails beworfen und in Brand gesteckt.
http://o1.ua/news/pokushenie-voennogo-vremeni-v.html

[9. Juli 2014]
Unbekannte haben vergangene nacht einen Armee-Posten unweit von Odessa angegriffen, ein 24-jähriger Vertrags-Soldat wurde dabei schwer verwundet
http://timer.od.ua/news/neizvestnie_obstrelyali_blokpost_v_kosharah_odin_boets_ser_ezno_ranen_719.html
(mit video und karte, das ist weit weit weg vom donbass)

Odessiter Einheiten der Spezial-Bullen haben am Samstag eine Synagoge „beschützt“: sie bildeten einen Schlauch, durch welchen die Gläubigen in die Synagoge gelangen konnten. Diese waren verängstigt, sie sprachen anschließend davon, dass sie befürchteten, dass man sie rein ließe, aber nicht mehr heraus, zumindest nicht lebendig… Angeblich war das ganze Viertel voller Bullen.
http://timer.od.ua/news/voorujennie_pravoohraniteli_perepugali_odesskih_evreev_233.html
Die Polizei rechtfertigte die Maßnahme mit einem angekündigten Protest, zu dem angeblich etwa 1000 Leute hätten kommen sollen (nicht einer kam). Der „Verband höflicher Menschen“ hatte eine Protest-Aktion angekündigt, weil der Vorsitzende dieser Gemeinde Mitschuld trage für den Bürgerkrieg im Lande. Er sei Teil der Gruppe um Kolomoiskiy, welcher widerum der Hauptverantwortliche für den Bürgerkrieg sei.

Kolomoiski ist einer der einflussreichsten und, nach Ahmetov, wohl der zweitreichste Ukrainer, Gouverneur von Dnepro-Petrovsk (nach dem Sieg des Maidan eingesetzt), finanziert Azov und andere Einheiten, und hat Kopfgeld auf Separatisten ausgesetzt. In Russland läuft ein Verfahren gegen ihn http://de.ria.ru/society/20140702/268903864.html
Vielen gilt er übrigens als der Mann hinter dem Massaker vom 2.Mai, einmal weil angeblich Leute aus seinen Einheiten „Sturm“ und „Dnepr-1“ beteiligt waren, und zum anderen, weil im Anschluss der Gouverneur von Odessa ausgetauscht wurde. Der neue Gouverneur, Igor Palitsa, gilt als Mann Kolomoiskis.

(„Höfliche Menschen“ ist übrigens eine Anspielung auf die russischen Soldaten auf der Krim, die als „höfliche Menschen“ berühmt geworden sind

Dieser angekündigte Protest wäre also eine Aktion von pro-russischen Aktivisten in Odessa gewesen)

Dieser Gouverneur von Odessa, Igor Palitsa, er widerum kritisiert oft die Zentralregierung in Kiev. Sehr oft, und ziemlich direkt. Gestern sprach er davon, dass Kiev bis September Zeit habe, die Beziehungen zu Odessa zu verbessern. Was andernfalls drohe, sagte er jedoch nicht.
http://timer.od.ua/news/palitsa_ofitsial_nomu_kievu_vremeni_dlya_ispravleniya_oshibok_do_sentyabrya_potom_budet_pozdno_166.html
– viele denken, dass seine Kritik nur Scheinkritik sei und er gezielt versuche, den verbreiteten Unmut in Odessa gegenüber Kiev zu kanalisieren, und so im Sinne der Zentralgewalt zu integrieren.

In Odessa sind neue Aufkleber aufgetaucht, auf welchen die Gesichter von angeblich am Massaker vom 2.Mai beteiligten Tätern zu sehen sind
http://timer.od.ua/news/odessa_aktivisti_nazvali_vinovnih_v_tragedii_2_maya_254.html
(Das ist übrigens krass. Ich hab schon mehrmals so etwas gelesen, Details über rechte Aktivisten in Odessa: Realnamen samt Adressen und links zu deren vkontakte bzw facebook-Profilen. Eine der Teenagerinnen, die auf Videos zu sehen sind, wie sie Molotow-Cocktails zubereiten, wurde mitte Mai aus einem Fenster gestoßen, mehrere angeblich Beteiligte haben Selbstmord begangen, bzw es sieht danach aus. Bestimmt ein dutzend Mal hab ich solche Nachrichten gelesen…)

In der Nikolaever oblast hat ein Wehrpflichtiger aus Odessa desertiert und schwer bewaffnet das Gelände verlassen, wo er stationiert war. Nach ihm wird jetzt gefahndet
http://timer.od.ua/news/v_nikolaevskoy_oblasti_lovyat_voorujennogo_dezertira_iz_odessi_799.html

[15. Juli 2014]
In der Nacht zu Sonntag sind zeitgleich Bombenanschläge auf zwei Filialen der Privat-Bank (Kolomoiski) verübt worden, bekannt hat sich soweit ich weiß bisher niemand.
http://timer.od.ua/news/v_otdelenii_privatbanka_na_slobodke_progremel_moschniy_vzriv_623.html
http://timer.od.ua/news/nochnoy_vzriv_v_odesse_bil_dvoynim_915.html

Am 8. Juli wurde der odessiter „Timer“ darauf aufmerksam gemacht, dass ein Restaurant am Kiever Maidan auf seiner riesigen, eher als Werbegag gedachten Menü-Karte „gebackene Kartoffelkäfer nach odessiter Art“ anbietet. Die Aufforderung, das zu entfernen, zog sich über mehrere Tage, bis vorgestern: der Rat der Hundertschaften mischte sich am Ende ein und sorgte dafür, dass „nach odessiter Art“ übersprüht wurde.
http://timer.od.ua/news/na_maydane_v_kieve_zakrasili_nadpis_oskorbivshuyu_odessitov_519.html

Zwei odessiter Bürger, die in den Osten gefahren sind, um an der Seite der Rebellen zu kämpfen, sind in den Gefechten umgekommen
http://timer.od.ua/news/dvoe_odessitov_pogibli_v_boyah_na_donbasse_822.html

Eine 24-jährige odessiter Aktivistin des Antimaidan, am 25.6. vom Geheimdienst SBU als des Terrorismus verdächtig festgenommen, hat in der Untersuchungshaft ihr ungeborenes Kind verloren
http://timer.od.ua/news/beremennaya_aktivistka_kulikova_polya_poteryala_rebenka_v_sizo_607.html

 

D N E P R O – P E T R O V S K

[29. Juni 2014]
Eine sechs-köpfige Gruppe wurde festgenommen, die Terrorakte geplant habe und eine „Volksrepublik Dnepro-Petrovsk“ gründen wolle. Es wurden Waffen, Munition, Sprengstoff, Pläne und Skizzen von möglichen Terrorzielen, und separatistische Literatur sichergestellt. (Auch hier sind die Kommentare interessant)
http://www.056.ua/news/563292

Vorgestern wurde in Dnepro-Petrovsk ein Lenin-Denkmal abmontiert
http://www.056.ua/news/565070 (mit vielen Fotos…)
– an den Kommentaren fällt auf, dass viele Leute dagegen sind (die grün bewerteten Kommentare). Abgesehen von gegen den ukrainischen Nationalismus gerichteten Kommentaren gibt es auch positive Bekundungen zu Lenin und Sozialismus, aber auch Bemerkungen, dass doch Lenin der eigentliche Gründer der Ukraine war (ich denke ihr wisst das, oder?) und man ihm zumindest in der Hinsicht Respekt zollen müsse.

Allgemein möchte ich betonen, dass Sympathien mit sozialistischen Ideen ein kennzeichnendes Element des Anti-Maidan sind. Nicht unbedingt im fortschrittlichen Sinne, da ist natürlich viel Sowjetnostalgie im Spiel, aber trotzdem sehe ich da zumindest theoretisch eine Grundlage, dass man als fortschrittlicher Anhänger einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel mit diesen Leuten eigentlich leicht ins Gespräch kommen könnte. Mich wundert’s, dass dies nicht passiert, sondern viele der eher „fortschrittlichen“ Linken ihre Hoffnungen auf die Euro-Integration setzen…

Übrigens, anstelle des Lenin-Denkmals soll dort jetzt ein „Denkmal für die Kämpfer der 25. Fallschirmjäger-Brigade“ entstehen (in DP stationiert und im einsatz bei der ATO)
http://www.056.ua/article/565475

Und hier außerdem noch eine dieser patriotischen Meldungen: der größte Dreizack der Welt steht seit kurzem in Dnepro-Petrovsk!
http://www.056.ua/news/565472 (viele fotos)
Nachts leuchtet der, und wechselt zu „Slava Ukraine“, „Ukraina“ und „Ukraina ponad use“ (alles auf Ukrainisch geschrieben, und nicht auf Russisch, wie dieses Banner letztens)
– auch hier könnt ihr euch denken, welche Kommentare rot und welche grün bewertet wurden.

[14. Juli 2014]
in Dnepro-Petrovsk gab es wieder eine spontane und selbstorganisierte patriotische Aktion der Jugend (Fotos)
http://www.056.ua/news/575279
„Wie wir schon zuvor berichtet haben, ist der Patriotismus in Dnepro-Petrovsk mit üppiger Blüte aufgeblüht. Die Bürger verschönern mit nationaler Symbolik ihre eigenen Wohnungen, Häuser, öffentliche Plätze.“
– gefühlt alle zwei bis drei Tage gibt es auf dem lokalen Portal 056.ua solche Nachrichten…

Gestern gab es eine Attacke auf eine ukrainische Journalistin, die sich mit „pro-russisch“ gestimmten Bürgern in DP unterhalten hat. Die ist aus Zaporozhie, muttersprachlich mit Russisch groß geworden, spricht aber bewusst nur Ukrainisch – und sie und ihr Team wurden mit Mehl und grüner Farbe attackiert, weil sie mit den „Separatisten“ geredet haben, man unterstellte ihnen, für die „Separatisten“ Propaganda machen zu wollen…
http://www.056.ua/news/575304

 

K H A R K O V

[15. Juli 2014]
Schon etwas her, aber immer noch unter den Top-Nachrichten: Am 22.6. berichtete 057.ua über eine Flashmob-Aktion – etwa ein dutzend junge Aktivisten fallen in belebten Supermärkten um und bleiben fünf Minuten reglos liegen, umringt von ihren KollegInnen, die Plakate hochhalten. Es ist ein Protest gegen den Krieg in der Ukraine, auf den Plakaten ist Putler zu sehen und die Aufforderung, keine russischen Waren zu kaufen, weil man so den Krieg gegen die Ukraine mitfinanziere. Russische Waren haben anscheinend den code 46.
http://www.057.ua/news/560525

Gestern wurde das Denkmal für die einige und unabhängige Ukraine mit blutroter Farbe begossen
http://www.057.ua/news/575165
Ob in Reaktion darauf, ist nicht bekannt, auf jeden Fall wurde letzte Nacht einer Leninstatue der linke Arm und die rechte Hand abgeschlagen
http://www.057.ua/news/576197

Beim kharkover 057.ua ist auffällig, dass bei Artikeln mit „nationalen Themen“ Positionen des Euromaidan in den Kommentaren massiv überwiegen, „Slava Ukraine“ und dergleichen, während es allgemein ein leichtes Übergewicht von kritischen Stimmen gibt. So auch bei der ersten Nachricht, man hält die Aktivisten mehrheitlich für Idioten…

Der Inlandgeheimdienst SBU hat übrigens ein Waffenversteck bei Kharkov ausgehoben
http://112.ua/photo/sbu-obnaruzhila-v-harkovskoy-oblasti-taynik-s-oruzhiem-v-tom-chisle-dvumya-pzrk-87775.html

 

KAMPFGESCHEHEN

[15. Juli 2014]
Bilder aus Lugansk, von einem fünfstöckigen Wohnhaus, dass von einem „nicht identifizierten“ Flieger beschossen wurde. Man verdächtigt die Russische Föderation für diese Attacke, um es den ukrainischen Streitkräften in die Schuhe schieben zu können…
http://photo.vesti.ua/donbass/2265-zhiloj-dom-v-snezhnom-rassypalsja-v-wepki

Die Hysterie wegen eines befürchteten (erhofften?) offenen Einmarsches russischer Streitkräft ist extrem. Die Stimmung dahingehend kann ich gar nicht wiedergeben, jeden Tag werden neue Beweise angekündigt über die Involviertheit der Russen, die immer intensiver in Provokationen verstrickt seien – ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das noch jemand glauben kann…

und während heute die offizielle Zahl von 258 gefallenen Soldaten verkündet wurde (Armeeangehörige, zu den Freiwilligenverbänden gibt es keine Angaben)
http://112.ua/glavnye-novosti/za-vremya-ato-pogibli-258-voennosluzhaschih-snbo-88360.html
wird auch Oleg Tsarjov zitiert, der offizielle Kopf der Bewegung Süd-Ost, jetzt Novorossiya, und er spricht von 3,5 bis 5 Tausend gefallenen Soldaten
http://112.ua/obshchestvo/carev-zayavlyaet-chto-za-vremya-ato-na-vostoke-ukrainy-pogiblo-okolo-4-tys-silovikov-88361.html
– und diese divergierenden Angaben werden natürlich diskutiert. Das Verhältnis Verteidiger zu Angreifer läge generell zwischen 1:3 und 1:5, kommt es aber zum Häuserkampf, steigt das auf mindestens 1:10, usw…

112.ua hat auch ein angebliches Telefongespräch mit einem Soldaten an der Front veröffentlicht, er schildert die Lage als katastrophal: von 800 Kameraden seiner Einheit seien 400 noch dabei, den vierten Tag in Folge befänden sie sich schon im Rückzug, die Technik habe massive Verluste erlitten. In seinem Trupp von eigentlich 90 Mann und zehn gepanzerten Fahrzeugen sind noch 35 Mann und ein Fahrzeug im Einsatz. Vielleicht hilft google-translator:
http://112.ua/mnenie/zvonok-iz-zony-ato-my-otstupaem-chetvertyy-den-88402.html
– der Soldat ist in dem südlichen Streifen im Einsatz, zwischen Rebellen-Gebiet und Russland, wo versucht wird einen Ring um die Rebellen zu formen.

Die von Poroshenko angekündigte taktische Neuorientierung verstehe ich als Eingeständnis, dass dieser Ring nicht zu schaffen sei, zu verlustreich. Denn real sieht es so aus, dass Tausende ukrainischer Soldaten eingekesselt sind, und nicht die Rebellen…
Der Soldat am Telefon fordert daher, dass sie abgezogen werden, nicht um die ATO aufzugeben, sondern um nicht sinnlos als Kanonenfutter zu enden.

Es gibt auch einen Bericht über das Misstrauen der Armee-Angehörigen gegenüber den diversen Freiwilligenbataillonen, sehr lesenswert
http://112.ua/analityka/posle-zaversheniya-ato-armii-pridetsya-voevat-s-dobrovolcheskimi-batalonami-soldaty-vsu-86749.html
-allein der Titel sagt viel: „Nach der ATO wird die Armee gegen die Freiwilligen-Bataillone kämpfen müssen“

 

OLIGARCHEN

[11. Juli 2014]
Es gibt aktuell immer mehr negative Nachrichten über Kolomoiskiy und seine derzeitige Rolle in der Ukraine, seit drei, vier Tagen ist es richtig massiv. Man scheint ihn zu isolieren, und alle erwarten in kürze einen offen ausgetragenen Konflikt zwischen ihm und dem Präsidenten Poroshenko.

Gestern sagte der Oligarch und infolge des Maidan eingesetzte Gouverneur der oblast Donezk, Sergei Taruta, dass militärische Formationen aus anderen oblasten sich zurückziehen sollen, man werde alleine mit den Separatisten fertig.
http://thekievtimes.ua/society/387722-taruta-ne-nuzhdaetsya-v-kolomojskom.html
Das ging e x p l i z i t gegen Kolomoiski’s Batallion Dnepr. Taruta sagte, man habe „eigene Kräfte“, wie z.B. das Batallion Azov, das in Mariupol stationiert sei.

Es heißt zwar seit Auftauchen dieser Truppe anfang Mai, Azov sei von Kolomoiski finanziert – aber seit kurzem bestreiten die das öffentlich, und machen sich sogar darüber lustig („Nur ein psychisch Kranker kann sich so etwas ausdenken“)
http://gazeta.ua/ru/articles/life/_batalon-azov-oproverg-sotrudnichestvo-s-kolomojskim/564309
Auch Oleg Lyashko, Kopf der Radikalen Partei, streitet jegliche Involviertheit Kolomoiskis ab. Er persönlich habe die Schaffung dieser Spezialeinheit initiiert, welche jetzt in Mariupol „für Ordnung sorgt“, und direkt dem Innenministerium unterstehe.
http://112.ua/politika/lyashko-oprovergaet-informaciyu-o-prichastnosti-batalona-azov-k-napadeniyu-na-posolstvo-rf-75479.html
Azov sind jedenfalls krasse Faschisten, durchsetzt mit Faschos aus anderen Ländern (schweden, russland, italien), bekennende Nazis und Rassisten
http://en.wikipedia.org/wiki/Azov_Battalion

Das klar Kolomoiski zuzuordnende Batallion Dnepr ist derzeit ebenfalls in Mariupol stationiert und hat schon angekündigt, dass es nicht beabsichtigt, sich aus der ATO zurückzuziehen, Taruta habe ihnen gar nichts zu sagen.
http:// novosti.dn.ua/ details/ 229557/ …

Kolomoiskiy wird anscheinend immer mehr zum „Vorzeige-Oligarchen“, zur absoluten Projektionsfläche und Zielscheibe…

So hat der TV-kanal „Inter“ vor drei Tagen eine anscheinend viel beachtete Reportage über „das Chamäleon Kolomoiski“ gebracht, mit verschiedensten Anschuldigungen, unter anderem, dass er sich Teile des Öl-Business widerrechtlich aneigne, sich neben Dnepro-Petrovsk nun auch die Oblast Odessa gesichert habe, und weiterhin Kontakte pflege zur Familie Janukowitsch – seine offen „patriotisch“-ukrainische Haltung sei lediglich PR…
http://timer.od.ua/news/inter_obvinil_kolomoyskogo_v_zahvate_odesskoy_oblasti_i_drujbe_s_kurchenko_685.html

Timer hat erst vor einer Woche einen längeren Artikel mit dem Titel „Das Fürstentum Dnepro-Petrovsk“ veröffentlicht, das in eine ähnliche Richtung geht, aber sich nicht auf Kolomoiski beschränkt. Zwar habe er im Zuge der „Re-Feudalisierung“ der Ukraine das strategisch am günstigsten liegende Dnepro-Petrovsk abgekriegt und sitzt von allen derzeit am stabilsten im Sattel, aber der Artikel macht deutlich, dass alle Oligarchen (inklusive des „Präsidenten“ Poroshenko) an dieser Re-Feudalisierung beteiligt sind – wobei Ahmetov als der derzeitige looser darsteht: er hat anfangs die Separatisten finanziell unterstützt, aber die Situation ist ihm offensichtlich aus den Händen geglitten.
http://timer.od.ua/minds/dnepropetrovskoe_knyajestvo_447.html

Ahmetov fordert übrigens immer wieder laut (und soweit ich beurteilen kann als einziger Oligarch) das Einstellen der Kampfhandlungen.

An anderer Stelle beschuldigte man vorgestern Kolomoiski, eine große Privat-Armee aufzubauen, und dass er gezielt versuche, den Besitz der donezker Oligarchen an sich zu reißen
http://vesti.ua/pridneprove/60214-kolomojskij-pristupil-k-formirovaniju-sobstvennoj-armii
Da geht’s unter anderem um den Vorschlag Kolomoiski’s, aus den Betrieben von Oligarchen, welche die Separatisten unterstützen (das ging klar gegen Ahmetov’s Imperium), Aktien-Gesellschaften zu machen, wo die Kämpfer der ATO und Angehörige Gefallener an erster Stelle beteiligt werden sollen – was man anscheinend lediglich für eine List hält, sich diese Betriebe anzueignen…
In dem Artikel ist übrigens auch von Re-Feudalisierung die Rede, aber dass Präsident Poroshenko sich dieser Gefahr, die durch Kolomoiski ausgehe, durchaus bewusst sei und bald dagegen vorgehen werde…

Es findet gerade ein regelrechter „Informationskrieg“ statt. Das dnepro-petrovsker Portal 056.ua hat z.B. gestern einen in den sozialen Netzwerken ausgetragenen und anscheinend viel beachteten Streit dokumentiert.
http://www.056.ua/article/573343
Infolge der Ankündigung, die Besitztümer der donezker Oligarchen zu zerschlagen und ATO-Veteranen zu überlassen, meldete sich der Journalist der „ukrainskaya pravda“ Sergei Leshenko zu wort, und beschuldigte Kolomoiski, an seiner eigenen Version einer „Föderalisierung“ der Ukraine zu arbeiten, und dass sich herausstellen werde, dass nicht die Armee Strelkov’s, sondern Kolomoiskis Batallion Dnepr, die „Hisbolla der Ukraine“ sei… Der Vize-Gouverneur von Dnepro-Petrovsk, Boris Filatov, lieferte sich daraufhin mit ihm einen Schlagabtausch und betonte die patriotischen Leistungen Kolomoiski’s.

[15. Juli 2014]
Zwischen Kolomoiski und Poroshenko ist es anscheinend ruhiger geworden, zumindest hört man nichts mehr über den erwarteten Konflikt. Statt dessen spitzt sich die Situation zwischen Achmetov und Kolomoiski zu.
http://www.056.ua/article/575933 (Achmetov: „Bataillon Dnepr ist eine illegale militärische Formation“)
http://www.056.ua/article/575963 (Fernseh-Auftritt von Kolomoiski [im eigenen Sender]: „Wer ist schuld am Separatismus“)

Kolomoiski hat dazu aufgerufen, das „illegal erworbene Eigentum“ der donezker Oligarchen Achmetov und Firtash zu verstaatlichen (die wurden zuvor, bei der Idee zur Umwandlung von Betrieben in Veteranen-AG’s, nicht namentlich genannt. Jeder wusste zwar, dass sie gemeint sind, aber erst jetzt fallen Namen).
http://gazeta.ua/ru/articles/life/_kolomojskij-predlagaet-zhestko-raskulachit-ahmetova-i-firtasha/569656

 

PS: (um kurz und grundsätzlich meine Meinung einzubringen)

[7. Juli 2014]
Gestern gab es wieder eine patriotische Aktion in Dnepro-Petrovsk (solche Nachrichten gibt es öfter, zwei sind weiter oben zu finden):
http://www.056.ua/news/570217
Das Geländer einer Brücke wurde von Jugendlichen in den Nationalfarben gelb und blau gestrichen. In Eigeninitiative wohlgemerkt: sie hatten die Idee, ihren Wohnbezirk zu verschönern, haben die Farbe von ihrem eigenen Geld gekauft, und sich an die Arbeit gemacht.

Und du fragst nach sozialen Kämpfen? Wen interessieren die? „Ukraina – ponad use!“ (Ukraina – über alles!) und „Slava Natsii! – Smert Voroham!“ (Ruhm der Nation! – Tod den Feinden!)
Diese Parolen sind als Folge des Euromaidan in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der Präsident schließt jede seiner Reden mit „Slava Ukraine!“
Und ich gehe keinen Schritt zurück von der Feststellung, dass in der Ukraine gerade eine Faschisierung und Militarisierung der Gesellschaft vor sich geht, die viele aufgrund unbestimmter Hoffnungen in irgendwelche „humanitären Werte der EU“ nicht wahrhaben wollen.

Das ist umkämpft und die Faschos sind noch in der Minderheit, ja, aber sie sind die lauteste und aktivste Minderheit, haben die Jugend auf ihrer Seite, Teile des Staates in ihrer Hand (inklusive mehrerer Milizen mit je Hunderten oder gar Tausenden gut ausgerüsteter und mittlerweile erfahrener Kämpfer!), und ihre ehemals marginalen Parolen in der Mitte der Gesellschaft verankert. Und sie nutzen diese Position.

 

PPS: NOVOROSSIYA

Der Begriff wird immer populärer, und das hat nun mal mit dem jetzigen unitären ukrainischen Nationalismus zu tun und der zugrunde liegenden Definition dessen, was als „ukrainisch“ zu gelten hat, und welche Sicht auf die Geschichte damit transportiert wird. Es ist eine Reaktion darauf.
– wenn z.B. Stepan Bandera zum allukrainischen Helden gekürt wird, so verprellt das einfach mal eine menge Leute, und diese suchen sich andere historische Referenzen.

Und der Südosten war bis zur Gründung der sowjetischen Ukraine nun mal bekannt als Novorossiya. Bis 1873 als offizielle, administrative de jure-Bezeichnung, und danach als de fakto-Bezeichnung (welche die neuen, regionaler definierten administrativen Einheiten umfasste), bis in sowjetische Zeiten hinein, wo dieser Begriff im Rahmen der „Korenizaciya“-Politik (die Schwächung russischer und stärkung regionaler Elemente bis 1931 http://de.wikipedia.org/wiki/Korenisazija ) gezielt bekämpft wurde.

Eine erste Renaissance des Begriffs gab es in der Zeit der Regierung Jushenkos, welcher, wie schon erwähnt, Stepan Bandera offiziell zum „Helden der Ukraine“ gekürt hatte (das war eins seiner Hauptanliegen: das ukrainische Nationsverständnis zu vereinheitlichen. Da gab es einige Projekte).

Das sind keine ausdrücklich „linken“ Debatten, natürlich nicht. Diese Debatten sind eingebunden in die Forderungen einer Föderalisierung der Ukraine, da gibt es verschiedene Konzepte, getragen von verschiedenen Akteuren, und die Idee als solche ist nunmal ziemlich populär im Südosten, über die politischen Lager hinweg (abgesehen von den Kämpfern für eine „einige Ukraine“, also der Euromaidan).

Und der Begriff Novorossiya scheint sich gerade zu einem „Sammelbecken“ der verschiedenen föderalistischen Forderungen zu entwickeln und wird mittlerweile verstanden als Gegenkonzept zum unitären ukrainischen Nationsverständnis. Man spricht von einem „multinationalen Novorossiya anstelle einer nationalistischen Ukraine“.

Hier ein Artikel, der sich mit der Geschichte und den Inhalten des Begriffs beschäftigt:
http://timer.od.ua/minds/novorossiya_upuschennie_shansi_ukraini_535.html
(„Novorossiya – die verpassten Chancen der Ukraine“)

Leuten, die sich dafür engagieren, drohen übrigens mehrere Jahre Knast. Am 27. Juni wurde ein Mann in der Oblast Suma (Zentral-Ukraine) festgenommen, weil er Propaganda-Material (Ausgaben der Zeitung „Novorossiya“) aus Odessa zugesandt bekam, ihn erwarten deswegen drei Jahre Haft
http://timer.od.ua/news/v_odesse_vedut_novorossiyskuyu_agitatsiyu_995.html
– ganz oben habt ihr ein Foto dieser Zeitung, die anscheinend in Odessa produziert wird. Man sucht jetzt nach dem Absender.

In Dnepro-Petrovsk wurde vor ein paar Tagen ein 33-jähriger wegen „separatistischer posts“ im Internet festgenommen, ihm drohen jetzt drei bis fünf Jahre Haft.
http://www.056.ua/news/569264

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